25 Juli 2006

WAZ-blog, Teil 1: Barcelona sagt "bienvenido"

Da bin ich nun also in Barcelona; angekommen in der Stadt, die ich in den kommenden drei Wochen erstens kennen lernen und deren Bewohner ich verstehen koennen will. Und zwar verstehen im wahrsten Sinne des Wortes: Spanisch lernen will ich hier. “Bienvenido a Barcelona”, hat der Flugkapitaen gesagt, als wir aufsetzten; das heisst wohl: willkommen in der katalanischen Hauptstadt. Kaum angekommen, stelle ich fest, dass meine Annahme, die Hitzewelle in Deutschland haette mich irgendwie vorbereitet oder abgehaertet gegen spanische Sommer-Zustaende, falsch war. Auch die Tatsache, dass in meiner Vierter-Stock-Wohnung in Dortmund jeweils noch 20 Grad auf die Aussen-Tageshoechsttemperatur aufzuschlagen war, hilft mir jetzt hier, in der Millionenstadt Barcelona, rein gar nichts. Aber wer vorher gross rumtoent, es koenne ihm nicht heiss genug sein, der haelt jetzt eben schoen die Klappe und fuegt sich drein, dass das Zimmer in der Residencia - meine Unterkunft ist ein Studentenwohnheim direkt neben Universitaet Barcelona - kein Fenster hat. Richtig gelesen, kein Fenster. Okay, es gibt ein Fenster, aber das verdient den Namen nicht, denn es oeffnet sich zum Aufzugsschacht hin. Na klasse. Ich taufe die zweieinhalb-mal-eineinhalb-Meter-Butze gleich “Verschlag”, komme mir wie ein Huhn vor und beschliesse, hier nicht mehr zu tun als zu schlafen. Auch das ein ziemlich optimistischer Plan, denn ob es hier Tag oder Nacht ist, das merkt man hoechstens an der Helligkeit - das Thermometer sieht jedenfalls nicht ein, die Quecksilbersaeule einmal unter die Zahl 30 sinken zu lassen, um anzudeuten “jetzt ist Nacht”. Spontan denke ich “das kann ja heiter werden”, bremse diesen Gedanken aber auf der Stelle wieder, denn es ist mir eigentlich schon heiter genug. Also schaue ich mir mal meine Sprachschule gleich um die Ecke an. Die versoehnt mich sofort wieder: Ich sehe Ventilatoren, ich sehe Klimaanlagen, ich sehe Menschen, die keine Schweissperlen auf der Stirn haben und die nicht mit einem verschwitzt-erhitzt-lethargischen Blick in die spanische Weltgeschichte gucken. Ich sehe helle Moebel, moderne Computer, freundliche Gesichter der Lehrer, einen lauschigen, ueber und ueber gruenen Garten mit einladenden Holz-Sitzgelegenheiten. Okay, angesichts dieses Schmuckkaestchens bin ich versoehnt mit dem Verschlag. Hier komm ich morgen gerne hin und starte das Unterfangen Spanisch-Sprachkurs.
Drei Reisefuehrer habe ich im Gepaeck und zig gute Ratschlaege von Freunden, Vaetern und Verwandten: “Du musst in den Parc Guell!” “Iss Tapas, wenn du in Barcelona bist!” “Auf keinen Fall die Sagrada Familia verpassen!”
Ja ja. Ist ja gut. Heute aber lasse ich mich erst nur ueber die Ramblas treiben - so heisst der 1,5 km lange Boulevard, der sich mitten durch die katalanische Hauptstadt zieht.

“Auf dieser Strecke schlaegt der Puls der Stadt”, belehrt mich mein Reisefuehrer. Hat der eine Ahnung. Hier schlaegt naemlich dieser Tage vor allem das Herz der Kaufleute und Ladenbesitzer hoeher: “Rebaixes” lese ich ich dicken, fetten, schwarzen Buchstaben und in kreischend-roten Lettern; “Rebaixes” blinkt es bunt aus Schaufenstern, winkt es mich, verziert mit Prozentzeichen, hinein ins Shopping-Vergnuegen. “Rebaixes”, das habe ich, bevor die erste Sprachkurs-Stunde begonnen hat, schon gelernt, heisst Schlussverkauf. Und es ist das Hauptvergnuegen der einkaufslustigen Barcelonesen im Juli und August. Da lass ich mich nicht lange bitten; schon bin ich ganz Barcelonesin und schon in der Umkleidekabine der naechstbesten Boutique verschwunden. 30 Euro weniger fuer diese coole Jeans - die muss ich anprobieren. Und Spaghetti-Traeger-Tops, davon brauche ich bei diesem Wetter ohnehin noch mehr, als ich eingepackt habe. - Ich melde mich dann spaeter wieder, wenn mein Konto leer ist oder sie mich aus dem letzten Kaufhaus geworfen haben!

24 Juli 2006

Bis auf Weiteres...

... sind Notizen, die sonst hier zu stehen kommen wuerden, unter www.waz.de zu finden (runterscrollen, bis links in dem grauen Feld "Interaktiv" auftaucht, dann auf "Weblogs" klicken und im unteren Bereich "Reise-Blog - Berichte aus der ganzen Welt: Ruhris auf Tour" auswaehlen).
Waehrend meiner Zeit in Barcelona fuehre ich naemlich dort ein Blog, und zwei Blogs gleichzeitig befuellen, das ist entschieden zu viel Zeitaufwand, wenn man in einer grossartigen, atemberaubenden und traumhaften Stadt wie Barcelona ist!

edit: Ich habe nach meiner Rückkehr alle WAZ-blog-Beiträge hier rübergehoben, damit sie nicht irgendwann in den Tiefen des WAZ-Online-Archivs verschwinden.

19 Juli 2006

Selbstverstümmelung

Nicht nur, dass ich mir beim Putzen die Hände kaputtratsche, nein, ich besitze auch die sagenhafte Dämlichkeit, mir die Schwimmbadumkleidetür dermaßen unvorteilhaft in die Hacken zu rammen, dass es hinterher so aussieht. Anmerkung: Ich habe ein Spezialpflaster drübergeklebt. Das ließ die Macke letztlich schlimmer erscheinen, als sie tatsächlich war. Entwarnung also!

Gaziantepspor, die Zweite

Wenn nicht der Sitki Köse, Fleischwaren-Händler und Fußballer-Vermittler im Ostvest, damals, letztes Jahr, als Gaziantepspor zum Testspiel gegen die SpVg Erkenschwick auf den Stimberg kam, dem Stadionsprecher Alfons Manikowski ein bisschen türkische Musik mitgegeben und dieser sie in der Halbzeit sehr zur Freude der Gäste eingespielt hätte, dann hätten sich die Jungs von dem türkischen Erstliga-Club nicht ans schöne Oer-Erkenschwick erinnert. So aber kamen sie noch mal und trafen sich hier mit dem deutschen Wieder-Erstligisten VfL Bochum. Nette Jungs, die Türken... Dieser hier links war mein Liebster - Erdal Günes. Zwar hat er kein Tor gemacht, aber gewonnen haben sie - durch Tore von Veysel Cihan und Mehmet Cogum, während für Bochum Heiko Butscher traf - trotzdem. Ich fand das gut.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden umziehen

Heute Morgen im Hausflur folgender Zettel - siehe rechts.
Ich bin zwar beim Abschreiben schwer angewidert worden, aber will es trotzdem mal hier Wort für Wort wiedergeben:

Sehr geehrte Neumieter, sehr geehrte Vorgänger,

es sollte eigentlich selbstverständlich sein dafür zu sorgen, täglich den groben aufkommenden Dreck im Hausflur nach Beendigung der Arbeiten zu entfernen.
Es ist sehr unangenehm für alle die unten durch den Hausflur gehen müssen und den groben Staub mit in die Etagen bzw. Wohnungen tragen müssen.

Des weitern wäre es toll das die auf dem Kellerboden umzugbedingten sicherlich unbemerkten Rest entfernt werden könnten. Es wäre auch zukünftlich sehr nett, wenn wir vorab rechtzeitig über Staubentwicklungen die auf unseren Balkon übergreifen und in die Wohnung ziehen in Kenntnis gesetzt würden. Vermeidbar wären dadurch gewesen ein verstaubter Wäscheständer (mit Wäsche) sowie Sitzauflagen und Staub in der gesamten Wohnung etc.

Wo gehobelt wird fallen Späne keine Frage.

Aber das unsere neue Waschmaschine dem anfallendem Dreck und Staub zum Opfer fallen müssen muss und darf ebenfalls nicht sein. Dieser Staub kann wirklich Schaden anrichten die wir nicht tollerieren möchten und hoffentlich nicht nachweisen müssen. Bitte reinigen Sie diese komplett und bringen den Originalzustand her. Bei weiteren staubanfälligen Arbeiten bitten wir um entsprechende rechtzeitig Info um Schutzmaßnahmen allgemein durchführen zu können. Dieses gilt insbesondere für unsere Waschmaschine im Keller und der Staubverteilung/Abwehr in unserer Wohnung und der Hausfluretage.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

... (die ehrenwerten Nachbarn aus der zweiten Etage)

Ich habe wegen der Authentizität die Schreib-, Tipp-, Rechtschreib- und Grammatik-Fehler belassen, wie sie diese lächerlichen Menschen hinterlassen habe.
Und ich konnte mir nicht verkneifen, einen Zettel daneben zu hängen: "Liebe Neu-Mieter! Herzlich willkommen in der Johannesstraße 19! Viele Grüße, Tami U. aus dem 4. Stock. "
Das muss man sich mal vorstellen: In Beirut und Schweifat hauen Bomben den Menschen die Köppe weg, die Hisbollah feuert Raketen auf Nord-Israel, und die sprechen von Staub-Abwehr. Da wird einem doch übel.

Leben in die Bude

Lange nichts aktualisiert hier. Das soll sofort besser werden.
Heiß ist es in Deutschland. Und in London, wo es zurzeit wärmer als in Rom ist. Hat man so etwas schon erlebt? Der Mann im Radio sagt, nein, in diesem Jahrtausend noch nicht. Sommer ist auch, wenn ein weiterer Radio-Moderator sich um 8.56 Uhr aus seiner Sendung verabschiedet mit den Worten: "Ich sage tschüss und gehe jetzt erstmal Eis frühstücken." Sommer ist darüber hinaus, wenn man sich nachts nur noch mit nassen Handtüchern zudeckt. Und wenn noch ein Radio-Mensch sagt: "Körperliche Anstrengungen sollten bei diesen Temperaturen und Ozonwerten vermieden werden. Würd ich sagen, hat Jan Ullrich alles richtig gemacht."
Es gehört auch zum Sommer, dass ständig Leute urlauben. Ich ja auch bald. Aber wenn man an seinen Vater eine SMS schickt "Hallo Papa. Wir wollen morgen Abend mit dir essen gehen und würden so um 19.30 Uhr vorbeikommen. Passt dir das?" und einige Stunden später die Antwort "Gute Idee, seid dann im Le Jabron in La Begude. Küsschen", dann hat man irgendwas nicht mitbekommen...

12 Juli 2006

Viva España!

Nicht zu fassen. Es ist vollbracht. Fast jedenfalls. Nur noch eine Banküberweisung trennen mich von drei Wochen Spanischkurs Superintensiv im Estudio Hispánico. Ihr wisst also jetzt, wo ich mich ab 24. Juli und bis zum 12. August herumtreiben werde. Und danach übersetze ich euch simultan jeden beliebigen Juanes-Song, so viel ist mal klar! Jetzt aber schnell die Kofferpackliste vollendet und den örtlichen Buchhandel um drei, vier Reiseführer Barcelona (hier, hier und hier zum Beispiel) erleichtert.

Noch nachzutragen und völlig unabhängig davon: Wort des Monats ist Handy-Display-Junkie (© by G.). Und SMS-Wortlaut des Monats (mal ~ 30): "Wie geht's dir?" (© by E.).

10 Juli 2006

Aus, aus, die WM ist aus!

Vorbei und Schluss. Ende WM. Hier und jetzt. Und heute zählen wir wieder normal.
Ich werde es vermissen. Ich werde vermissen, klebrige Finger nach dem Caipirinha-Trinken zu haben. Ich werde die WM-Plus-Beilage zu den Ruhr Nachrichten mit den vollformatige fotografierten, geschminkten Länder-Gesicht auf dem Cover vermissen. Und die alles begründende Aussage: "Ist doch WM!" Auch Lukas Podolski. Und die Tatsache, dass wir jetzt die Vokabel public viewing nicht mehr so oft benutzen werden. Schwarz-rot-gelbe Schminkflecken auf den Oberarmen werden wir auch nicht mehr sehen. Und die Cleansmänner in DO müssen jetzt keine Extra-Schichten mehr fahren. Ich werde die Sportis mit "54, 74, 90, 20062010", Oliver Pocher mit "Schwaaaaaaz und Weiiiiiiß" und auch "Three Lions" der Lightning Seeds und die Tone Def Allstars mit "Who do you think you are kidding, Jurgen Klinsmann?", "Zeit dass sich was dreht" (H. Grönemeyer) und auch die The BossHoss-Version von "You'll never walk alone" vom iPod räumen. Der rote Teppich auf der Hohen Straße wird mir fehlen und die Countdown-Anzeige am RN-Haus. Schade, dass wir fortan die Frage "Und wo guckst du?" nicht mehr zu stellen brauchen. Schade, dass uns nicht mehr so sehr "dein Tipp?" interessiert. Schade, dass Lukas (Poldi, nä!!?) jetzt sein Tagebuch zuklappt. Schade um die Flaggenautos und die Stadion-Sirenen. Was ich noch vermissen werde: Verlängerte Öffnungszeiten. "Willkommen in der FIFA-WM-Stadt Dortmund" am Bahnhof. Menschen aus aller Herren Länder mit Schildchen in Plastikhüllen um den Hals. Fußball-Nutella-Gläser. Das Speak-Easy, best public viewing place ever. Tomekk an der großen Cola-Dose und Gudrun am Alten Markt. "Deutschlaaaaaand, Deutschlaaaaand!"-Schreien. Und vor allem: die Freunde.
Aber schön, dass du da warst, FIFA-WM!

05 Juli 2006

Alle meine Entchen

Da komme ich heute nach Hause, betrete das Schlafzimmer und sehe - siehe links - Blätter von den Bäumen im Krankenhausgarten hinter unserem Haus auf der Bettdecke. Daneben liegt eine der Enten, die sonst auf der Fensterbank hocken. Nanu?!
Als ich ans Fenster gehe, wird dann klar... dass der heftige Gewitterregen heute Nachmittag für die lustige Entenschar einen kleinen Teich auf der Fensterbank geschaffen hat. Hui, die haben sich bestimmt gefreut, dass sie endlich mal schwimmen durften.

04 Juli 2006

Nie und nimmer satt

Schon 25 Tage WM, und ich kriege noch immer nicht genug. Zum Beispiel, wenn wie heute auf der Titelseite der Ruhr Nachrichten 50 Porträg-Bilder von Menschen zu sehen sind, die alle der Klinsmann-Elf die Daumen drücken und man immer noch eine Gänsehaut bekommt. Und gestern sind sie im Haus Goldschmieding in Castrop-Rauxel angekommen. Schöne Reportage in den RN: "Der kleine Marc-André Schmidt ist nicht wegzukriegen. Er steht in der ersten Reihe. Seit 14 Uhr wartet der Vierjährige mit hunderten von Fans auf Ballack und Poldi. (Stunden und Zeilen später..., d.Red.:) Nach Castrop haben es Ballack und Poldi noch immer nicht geschafft. "Egal, wir bleiben hier. Der Opa bringt gleich was zu essen.", sagt Claudia, die Mutter von Marc-André. Bitte, was soll da noch passieren, wenn der Opa gleich was zu essen bringt?
Cool auch: Am Dortmunder Flughafen sind 145 zusätzliche Landungen für den Halbfinalspieltag gebucht. Wenn man bedenkt, dass durchschnittlich sonst 107 pro Tag landen und starten... Und den Südwall sperren sie, weil wir noch mehr Großleinwände brauchen.
Und das Morgenmagazin mit Christian Sievers (rechts, Foto: ZDF) steht
auf dem Bahnhofsvorplatz, als ich zur Arbeit fuhr und fuchtelt mit Mikro und Deutschland-Outfit rum, während Kameraleute wuseln und eine Fan-Gruppe sich tummelt. WM live und in Farbe und besser zu sehen als überall sonst.
Lied des Tages heute: "Himmel über Deutschland", Xavier Naidoo, wegen: "Leg den Himmel über Deutschland und auf das Glück, das ich erneut fand."
Hingegen Lied des Tages für gestern und für den ganzen Sommer: "Sommer unseres Lebens", Sebastian Hämer. Wegen: "Dies wird der Sommer unseres Lebens. Wir müssen ihn uns einfach nehmen. Es ist gar nicht so schwer." Und natürlich "Chicago", Clueso. Dedicated to E.

03 Juli 2006

Always wear Protection

Jetzt weiß ich, wofür die Ellenbogenschoner beim Inlineskaten gut sind! Sie verhindern, dass wenn man einem anderen Skater entgegenkommt und sich mit dessen linken, zum Schwung ausholenden Fuß verhakt und in der Folge zu Boden geht (mit Überschlag womöglich noch...) gar so hässliche Schrammen am linken und am rechten Ellenbogen davonträgt. Sie verhindern aber auch, dass man als Stuntfrau Karriere macht.
Tja. So schnell sagt bestimmt niemand am Rande eines Inlineskater-Hockey-Spiels zu mir: "Oh! Du bist braun geworden, Tamina!" Denn wenn die Wunden verheilt sind, ist es dadrunter ganz weiß. Bäh!
Darüber hinaus wird derzeit bei WDR 2 entschieden zu oft "Volverte a ver" von Juanes gespielt, und wenn ihr das durch "Gekommen um zu bleiben von Wir sind Helden ersetzen wollt, halte ich das auch nicht für sehr viel passender.
Was ich noch seltsam finde: Wenn sie in den Radio-Nachrichten sagen: "Augenzeugen hatten ein Aussetzen des 450-PS-Sternmotors (des gestern bei Hamburg abgestürzten Wasserflugzeugs Beaver DHC-2 de Havilland, d.Red.) gehört." Sind das dann nicht eher Ohrenzeugen?

28 Juni 2006

Die Polizei, dein Freund und Gastgeber

Hat man so was schon gesehen? Ghana spielt in Dortmund gegen Brasilien, auf dem Bahnhofsvorplatz werden Flaggen, Kappen, Schlüssel- und Haarbänder, T-Shirts und Schweißbänder in Rot-Gelb-Grün und in Gelb-Grün verkauft (unter anderem an Frau Tami-U), und was macht mittendrin die Polizei? Sie klebt Passanten deutsche Flaggen-Flaster auf die Wangen (unter anderem auf die von Frau Tami-U). Freunde, so mag ich euch.
Auch wenn Ghana!Ghana!! verloren hat. Blöder Ronaldo. Aber wie sagte ein Gast im Speak-Easy (ab sofort the place to be when WM): "So. Brasilien-Urlaub ist gestrichen." Und eine andere: "Hätteste ja lieber 'n Pilcher-Film gucken können."

27 Juni 2006

WM-Impressionen

Ich mag ja Dortmund (siehe auch, Bild rechts: "DO till I die", Aufschrift auf dem Fantunnel - machen wir!). Und am liebsten zu WM-Zeiten. Rechts die Szenerie vor dem Bahnhof, links mein persönlicher Body of the Day.
Außerdem: "Der Mirro, nä, der Klose, ey, voll der Angeber, nä! Wenn der n Tor macht, nä, dann macht der gleich n Salto, ey. Boah, wenn ich ma' n Tor mach, nä, dann mach ich - - - Brücke! Oder Kerze!"
(Ungefähr so gesendet im Rahmen der E1nsLive-Comedy "Lukas' Tagebuch" - leider muss ich doch immer wieder sehr drüber lachen.)

Allez les Bleus!

Heute sind wir für Ghana, aber wegen des Zweit-Wohnsitzes wird auch für Les Bleus geflaggt. Und heute vergessen wir nicht, das Funktelefon aufzuladen.
Spruch des Tages war gestern, fand K.: "Tschüss Kopf, tschüss Verstand, ihr könnt später wiederkommen."
Spruch des Tages am Sonntag (Nachholbedarf, weil zu viel Action, zu viel Leben dieser Tage): "Es ist 9.05 Uhr, hier ist WDR 2 und am Mikrophon ist Lukas Podolski."

Geschehen am Samstag, Vinckeplatz, Achtelfinalspiel Deutschland - Schweden: Security-Männer machen dicht und lassen mit versteinerter Miene niemanden mehr durch die Absperrgitter. "Lohnt sich Warten?" Achselzucken. Stehen wir da, M. und ich, und machen Gesichter wie Ausscheiden nach der Vorrunde. Nach zehn Minuten sinnlosen und zwischen Hoffen und Bangen befindlichen Gemütszuständen ich leise zu M.: "Da kriegt man schon n Hass, ne?" M., zwischen den Zähnen: "Ja." Im selben Moment: "Okay, kommt rein." Geht doch! Und dann: "Super-Deutschland, Super-Deutschland, Super-Deutschland, ole, ole!" und "über Dortmund fahr'n wir nach Berlin" und "lö löööö, lö löööö, lö lö, lö lö, lö lööööööööööööö" und schließlich: "54 - 74 - 90 -2006", wäre noch schöner gewesen, wenn die Käsegesichtige neben uns nicht diese Sirenen-Tonlage gewählt hätte.

24 Juni 2006

WM all over

Das Leben macht Kopfstand. Wenn man einen ganzen, langen Arbeitstag, der erst langsam daherplätschert und dann doch mehrere nette Telefongespräche und einige Hektik bereithält, hinter sich hat, weil man zwischendurch noch den Ersatztorhüter von Arminia Bielefeld knipsen muss, bevor man in die Redaktion zurückeilt und ... später dann Richtung Dortmund abdüst. Ab in die Stadt, na klar, denn gestern war ja Brasilien gegen Japan. Merke: Wichtigste Bestandteile des vollkommenen WM-Erlebnisses in DO ist ein gut geladener Akku vom Funktelefon. Denn die Hälfte der Zeit verbringt man damit, SMSse zu schicken: "Sind jetzt im Speak Easy. Komm doch einfach dahin." Oder ähnlich. Und man telefoniert kreuz und quer durch die Stadt: "Wo seid ihr? Waaaas? Ich versteh nichts, hier isses so laut!" Oder auch: "Ja. Friedensplatz, okay. Du ich muss jetzt Schluss machen, mein Akku ist gleich ... ist jetzt alle." Pflichtprogramm sind auch klebrige Finger, weil die Brasilianer an ihrem lustigen Cocktail-Stand mit dem Rohrzucker im Caipi sehr großzügig sind. Und dann hüpft man auf dem Friedensplatz auf und nieder, wahlweise zu brasilianischen Knüller-Songs, die man nicht kennt, die die grün-gelbe Masse aber mitgrölt und die Hüften gar ansehnlich schwingt und zu denen man nicht anders kann als mitzuschwingen. Oder zu "Live is live" oder "54, 74, 90, 2006" oder "99 Luftballons" oder - zum Schluss, wenn wir gehen sollen, "You'll never walk alone". Und alle liegen sich in den Armen, auch der einzigartige Japaner, der nicht viel mehr Deutsch konnte außer "Scheiße" (was er öfter rufen musste, leider, trotz aller solidarisierende "Nippon, Nippon"-Rufe unsererseits) und die Welt, die zu Gast ist und unser Freund ist, ist in Ordnung. Vor allem, wenn man gerade eine Kneipe in Dortmund sucht und sie nicht findet (Stichwort Alter Markt) und sich dann den Weg von einem gebrochen Deutsch sprechenden Italiener erklären lassen muss.
Spruch des Tages: "Schwester, it takes two to party!" Yep, Babe.
Und Tarkan find ich super.

20 Juni 2006

Herbert

(Foto: gestern, Schweiz gegen Togo; Reuters)

Er singt in "Nur noch so" - einem Lied, das sich einem ganz anderem als dem derzeit alles und alle und jeden beherrschenden Thema widmet: "Rausch mir durch Mark und Bein / Oh wie du gut tust. (...) Du kannst alles mit mir machen was ich will / weil du so gut tust. Mach meinen Puls rasend, stopp schlagartig meinen Verstand. (...) Ich krieg von dir nie genug / weil du so gut tust, gut tust, gut tust - gib mir mehr." Und so, genau so, ist das zurzeit, zurWMzeit. Alles immer noch im kollektiven Rausch. Und der Spiegel schreibt so bannend, dass ich trotz nur fünfeinhalb Stunden Schlaf hellwach im ICE sitze und Zeile für Zeile aufsauge. Zum Beispiel: "Feiern ist befreien. Deutschland befreit sich gerade von sich selbst. So unter Deutschen war es ja immer ein bisschen langweilig. Spätestens seit der Romantik war man dazu verdammt, eine veträumte, vergrübelte Nation zu sein. Man hockte im Krähwinkel der Welt und machte sich so allerlei schwere Gedanken über sich selbst. (...) Am besten sind dabei [beim Feiern, d.Red.], wie vermutet, die Kölner [und ich weiß auch, wer besonders, d.Red.]. Als Angola und Portugal müde in Köln kickten, sang die deutsche Ecke begeistert 'Viva Colonia'. Dann stand man auf, klatschte und rief: 'Steht auf, wenn ihr Deutsche seid.' Das ließen sich 10 000 Angolaner nicht zweimal sagen. (...) Nun ist zu klären, ob sie sich damit das Recht auf Einbürgerung erworben haben." (Spiegel 25/2006, S. 76)
Und ich mag auch gerne Wörter wie "Dröhndeutsche" (S. 84) - die nämlich, die über den Italien-Shirt-tragenden Michael "die Wade" Ballack nörgeln. Oder "Totalklinsmannschaft" - die Mannschaft nämlich, die sich ins Achtelfinale fightete.
Ist eben alles gut im Moment. Krieg von dir nie genug.

19 Juni 2006

Schlamperei

So viel Blogpause war wohl lange nicht. Zu viel Sommer, zu viel WM, zu viele Männer. Quatsch, von allen dreien kann man natürlich nicht zu viel haben. Aber wenn Deutschland gegen Polen spielt, da muss man dabei sein. Da muss man am besten mit einem echten Polen unterwegs sein (O-Ton "Polen sollst Du nicht befürchten. Wir werden uns gegenseitig vertreten." - Tomekk, super!). Und man muss am besten vor irgendeiner Kneipe stehen und in der Traube sein, die sich zwischen Dornenbüschen auf ein Mäuerchen quetscht und dabei so auf Tuchfühlung mit einem vor einem stehenden Polen gehen, wie man es sonst noch nicht mal mit seinem Dusch-Handtuch macht. Und man muss dann auf die Großbildleinwand gucken und zusehen (siehe Foto von AFP/afp.com; na, Herr Ballack und Herr Krzynowek, wollt ihr euch wohl in Frieden lassen?), dass man halt die wichtigen Szenen (in diesem Falle: eine, in der Nachspielzeit. 1:0) mitkriegt. Und am besten treibt man sich erst in der Innenstadt rum, wenn die ollen Krawallos schon weg sind. Und man trifft dann am besten noch Bruder und Bestenfreundvonbruder und zieht mit denen um die Häuser. Und am besten hat man zur Sicherheit ein polnisches Fähnchen dabei. Und am besten trägt man sein BMW-Williams-Formel1-T-Shirt mit der Aufschrift: "Keep your distance". Auch wenn die polnischen Freunde dann fragen: "Warum, eh?" Dann erst ist es richtig gut.

Und die Tage werden nicht schlechter. Das Mail-Postfach stöhnt unter Massenandrang, zu Hause wurde ewig nicht gesaugt, geschweige denn der Kühlschrank befüllt, aber: Macht nichts. Außerdem nimmt das gar kein Ende mit den ganzen Freunden, und zwischenzeitlich fühl ich mich ein bisschen wie Zypern. Nur aufgedrehter.

Und der allerpassendste Spruch kommt dieser Tage von der großartigen Madame la K.: "Die Männer, die verstehen, müssen das nicht noch betonen." So wahr, so legendär, so einzigartig.

14 Juni 2006

was man einmal im Leben gemacht haben muss

Eineinhalb Stunden, bevor im FIFA-WM-Stadion Dortmund Polen gegen Deutschland spielt, die Hohe Straße in umgekehrter Richtung auf dem roten Teppich herunterjoggen. Und dabei ein GV-Waltrop-Top anhaben. Diese Blicke kann man nicht erfinden.

13 Juni 2006

Schnappmuschel

Französische Kinder sind anders (bretonische sowieso). Wo schon deutsche Erwachsene (und sicher auch Erwachsene anderer Nationen) rufen: "Huuah! Muscheln! Mag ich nicht!", da verlangen bretonische Kinder ungerührt und ohne viel Federlesens: "Ich brauche eine Schnappmuschel." Und dann machen sie sich über einen Teller voller Moules Frites her. Lecker, Muscheln in Créme-Fraîche-Cidre-Sud. Keine Frage.

Für Nicht-Insider und solche, die skandalöserweise noch nie in der Bretagne waren: Was den Italienern ihre kunstvoll und nur um die Gabel gewickelten Spaghetti sind, sind dem Franzosen - dem Bretonen - seine mit einer Muschel (der Schnappmuschel eben) aus der nächsten gezuppelten Muschelfleisch-Häppchen.

12 Juni 2006

Und dann waren da noch...

... die drei Schweden, die uns in der Dortmunder Innenstadt angesichts eines seit Stunden durch schwarzen, dicken Qualm verfinsterten Himmel fragten: "Excuse me, do you know where the Barbeque is? There must be loads of Bratwursts!"

(Dazu heute Morgen das WDR-Regionalstudio Östliches Ruhrgebiet: "Sonntagnacht ist auf dem Dortmunder Großmarkt eine Kühlhalle für Obst und Gemüse in Brand geraten. Rund 180 Feuerwehrleute konnten nur das Übergreifen der Flammen auf einen Anbau verhindern. Das Hauptgebäude brannte komplett aus. Menschen kamen nicht zu Schaden. Es entstand ein Schaden von etwa 3 Millionen Euro.")

Foto: AFP/afp.com

Keine Fragen mehr

Gestern Abend, 20.30 Uhr, kam das Fahrrad zu seinem ersten Einsatz in diesem Jahr und zuvor zu etwas mehr Luft in den Reifen. Leider quietschte das Fußaufpumpteil, mit dem ich im Keller den Reifen zuleibe rückte, ein wenig. Ungefähr acht Tritte Luft waren drin, im Vorderrad, da öffnet sich zwei Stockwerke höher eine Tür und jemand ruft: "Hegrrrummphrfbäh!" Ich: "Bitte?" Wieder: "hegrrrummphrfbähgrrr!" Stapfe ich ein Stockwerk höher, in hörbarere Nähe: "Bitte?" (*schnauz*) "Geht das auch leiser?" "Ist ja gut."
Das Fahrrad also samt Aufpumpteil vor die Tür geschleppt, weitergequietschpumpt. Kommt ein Mann des Weges, mit Deutschland-Käppi. "Oh, quietscht n bisschen, was?", grinst freundlich der Vorbeigänger. "Ja. Hab grad schon Ärger mit dem Nachbarn gekriegt." Völlig entgeisterter Blick bei meinem Gegenüber: "Hä? Ist doch WM!" - Dem muss ich jetzt wohl eigentlich nichts hinzufügen. Bei der WM gelten andere Gesetze. Und die allermeisten, bis auf wenige Unverbesserliche, sind im Rausch des Spaßes und der Freunde im Zeichen des Fußballs.

(Weiter ging der Dialog mit: "Ja, ich find auch, ne ganz schöne Spaßbremse, der Nachbar." "Jau. Dabei sind die alle total nett. Gestern, in der Kneipe, so'n paar Engländer. Und Schweden. Alle total nett." Ich quietschte weiter. "Soll ich eigentlich mal helfen?" "Geht schon, danke." "Nee, komm, ich pumpe, du hältst das Ventil fest." - Und dann konnten wir feiern gehen. Nett sind die Menschen. Danke, FIFA-WM.)

11 Juni 2006

Unheilbar

Endgültig infiziert vom WM-Virus ist man, wenn man an einer Konstruktion aus Gestänge und Metallzäunen vorbeifährt und denkt: "Oh, eine neue WM-Installation!" und erst einige Meter weiter gewahrt wird, dass es sich um eine gewöhnliche Baustelle samt Absperrung handelt.
Wenn man abends, um 19.30 Uhr, bei immer noch 27 Grad, eine Gänsehaut bekommt, wenn im Radio "Football's coming home" gespielt wird. Wenn man überlegt, ob es übertrieben wäre, für Oswaldo Sanchez' Vater eine Beileidskarte zu schreiben. Wenn die Ruhr Nachrichten am Sonntag (!) eine kostenlose und 80 (!)-seitige Sonderausgabe produzieren.

In-ge-länd, Schlüpfer-Köpfe und Diego Immergrün

Man hat es schon gut, wenn man einen Bruder hat, der einen besten Freund hat, der ab und zu mit spontanen Ideen um die Ecke kommt. Heute: "Tamina, heute mal nach Dortmund aufn Friedensplatz fahren und n bisschen WM mitnehmen?" Äh. Aberaberaber... Ich hatte doch geplant, ins Schwimmbad zu gehen. Und ich wollte faul in der Sonne liegen und schlafen. Und abends ist Spanferkelessen bei S. Und überhaupt!
Muss ich erzählen, wie das Ganze endete? Wie wir bei 30 Grad im Schatten auf dem Friedensplatz gegen die Sonne auf die Großbildleinwand guckten, mitten unter lustigen Engländern, die "In-ge-länd, In-ge-länd, In-ge-lääänd!" grölten.
Unter Schweden, die gegen die Hitze Schlüpfer auf dem Kopf hatten. Mit einem trinidadtobagoanischen Coach Leo Beenhakker (rechts, Foto:AFP/afp.com), der die geilste, blondeste Stirnsträhne der ganzen Welt hat und sich über das 0:0 seiner Jungs gegen Schweden diebisch freute. Ein schwedisches, gelbes Meer im FIFA-WM-Stadion Dortmund. Mit WM-Bierbechern in der Hand. Mit Fachtipps von T., die mich vielleicht wieder ein Stück näher an vollkommenes Fußballverständnis gebracht haben. So ein schöner Tag. Drei Termine gemacht, schwimmen gewesen und der Rest war FIFA-Fußball-WM, inklusive des bislang wohl besten Spieles der Elfenbeinküste gegen Argentinien, was die Spätausgabe der Tagesschau fast nur mit Aufnahmen eines rumpelstilzchenhaft herumtanzenden und jubelnden Diego "ich lebe immer noch" Maradona bebilderte.
Getoppt wurde das Ganze nur durch den gestrigen Tag, der mir das Highlight E. brachte und der den fünf(!)-stündigen Serverausfall und damit verbundene Kurz-, besser: Garnicht-Arbeit mit mir wegalbern konnte wie kein Zweiter. "Tamina, willst du ein Autogramm von mir auf den Unterarm?" Verbrüderungsszenen gegen J. folgten und ich mag Menschen, die geradeheraus fragen: "Lebst du allein?"
Der WM-Auftakt war für mich also, als Abpfiff des Deutschland-Spiels war. Macht nichts. Mit einer Menge WDR-Leute, der lustigen Gabi, der schwippsigen Anni und (ich sag jetzt) Rolli, dem kuscheligen Gastgeber himself, dem dackelblickigen J., Zivimark und anderen den ersten WM-Abend gefeiert. Auch ohne trinken sooo spaßig.

08 Juni 2006

Na, du bist mir ein Früchtchen

Lustig ist auch, wenn man zur Eröffnung (frz. inauguration) einer Gärtnerei (frz. pépinière) in Lannion geht und irgendwie von der Sonne und vom Hunger und überhaupt von der Anstrengung des Tages schon leicht durch den Wind ist. Wenn man schon endlos durch Blumenrabatten und Staudengärten und Beetanlagen gelatscht ist und dann vor dem x-ten Gewächshaus steht, und da kommt eine Frau raus, die ein T-Shirt ähnlich dem rechts abgebildeten trägt, dann kann es schon mal passieren, dass in den Synapsen im Hirn zusammenwächst, was nicht zusammengehört, und man sagt: "Oh, hier drin sind wohl die Tropen-Pflanzen!"

(Anmerkung: Tatsächlich waren in jenem Gewächshaus die Schattenpflanzen...)

Pfui Spinne

Heute im Bus vom Bahnhof zur Uni. Kleiner Junge hustet vor sich hin. Sagt: "Ich glaub ich spinne." Mutter, tadelnd: "Na!" Junge: "Von' Husten, weil der nicht weggeht, spinn' ich!" Recht hat er.

Gut, dass wir verglichen haben

Es waren einmal zwei Geschwister, die hassten nur wenig so sehr, wie die Standard-Touristen-Fotos aus dem Urlaub mit nach Hause zu bringen. Und als sie einmal an die Rosa-Granitküste in der Bretagne reisten und dort bei Trégastel im so genannten Grand Chaos des Rochers am Felsen "la Palette du Peintre" vorbeikamen, waren sie sich nicht zu blöd,
ziemlich alberne Fotos zu machen. Entscheiden Sie selbst, wer beim Kopfüber-durch-die-Malerpalette-Contest eine bessere Figur abgibt - Schwester (oben) oder Bruder (unten).

07 Juni 2006

Noch Fragen?

Nichts geht über vier Tage in der Bretagne. Weitere Details später, und amuse yeux schon mal dieses fotografische Appetithäppchen . . .
So sieht das nämlich derzeit am Sentier des Douaniers ungefähr auf Höhe des Strandes Maez an Aod aus.
edit: Das orangene Zeug müsste Kalifornischer Goldmohn (Escholzia californica) sein. Aber nagele mich lieber niemand auf diese googleunterstützte botanische Schlaumeierei fest.

02 Juni 2006

und tschüss

Noch 13 Minuten, dann rollt K.s Zug ein und bald geht's los Richtung Bretagne - jipieh!
Und da sitz ich gestern bei der Jahreshauptversammlung eines Sportvereins, da fragt mich jemand nach meiner E-Mail-Adresse, und ich rücke brav die der Redaktion und auf Nachfrage auch meine private raus. Denke noch: "Oha, da schickt mir jetzt wieder einer so ein WM-Tipp-Spiel oder was." Komme nach Hause, checke die Mails und: Überraschung...
Lied des Tages: "Griechischer Wein", und nur Nici weiß wieso... Spruch des Tages (von K.): "Was für ein Cliffhanger."
Ich bin weg!

01 Juni 2006

Jahome Itaschwe

Ich bin ja schon recht gut ausgestattet mittlerweile. Ich habe drei Zuckerwatte-Fußbälle, eine Auto-Flagge (mit Blinklicht!), ich habe den Herbert-Grönemeyer-WM-Song "Zeit, dass sich was dreht", "'54, '74, '90, 2006" von den Sporties, "Schwarz und Weiß" von Oliver Pocher und seit gestern auch WM-Konfetti (in Fußballform) und schwarz-rot-gelbgoldene Tröten.
Aber IKEA ist auch nicht schlecht. Für das Dauerbrenner-Sofa Klippan gibt es einen Fußballrasen-Bezug (siehe oben), und die schwedische Variante von Frikadellen-Buletten-Hackfleisch-Klöpsen - Köttbullar - gibt es jetzt in italienischer (mit Tomatensauce und Penne), in holländischer (mit Pommes, Ketchup und Mayonaise), in mexikanischer (mit Nachos, Salsa und Guacamole) und in japanischer Abwandlung (mit süß-saurer Sauce, Wok-Gemüse und Reis).
Den speziellen IKEA-WM-Spaß nennen sie Jahome Itaschwe. Warum? Weil darin die Anfangssilben der fünf Länder stecken, die sie stellvertretend für sämtliche WM-Teilnehmerländer vorstellen: Japan, Holland, Mexiko, Italien und Schweden. Ich find's witzig!

31 Mai 2006

FIFA-WM und kein Ende

Der Countdown läuft, aber sowas von. Man kann gar nicht so schnell gucken, wie die Fußball-WM sich breit macht in der Stadt. Am Bahnhof haben sie jetzt schon einen Teil des Plakats an den Baugerüsten aufgehängt, das ein Foto von der Südtribüne im SignalIduna-Park (jetzt FIFA-WM-Stadion Dortmund) zeigt. Gar nicht schlecht. Und das wird noch mehr, so dass man am Ende, wenn man aus dem Bahnhof raustritt, den Eindruck hat, ins Stadion reinzulaufen.
In der Mitte - im oberen Bild andeutungsweise am Rand zu sehen - wird ein Spielertunnel gebaut, so dass man wirklich den Eindruck hat, jetzt ist man gleich, beobachtet von Tausenden von Augenpaaren, im Stadion. Das haben die ganz hübsch gemacht. Mal sehen, was der Kaiser sagt, der kommt nämlich am Freitag, um den ganzen Zauber einzuweihen.

29 Mai 2006

Rücken-, Auf- und Schiebewind

Das Wochenende schwappt noch nach. Gestern Abend, 23.26 Uhr, vier Minuten vor der absoluten Deadline "Andruck", war Seite 4 von 4 des Ostvest-Sports in Datteln ans WAZ-Druckhaus gesendet. Just in time.
Aber na ja. Freitags ab 9 Uhr in der Redaktion zu sitzen, ein Drittel des Tages mit dem Telefonhörer zu verwachsen, ein anderes Drittel auf die Tasten zu hämmern und noch ein Drittel mit Planungen ("wie bekomme ich diese schneidigen blaue Leiste über meinen Textblock auf Seite D?", "kann der freie Mitarbeiter E. es wohl schaffen, in OE die Spielvereinigung in ihrem Anti-Abstiegs-Spiel zu fotografieren und gleichzeitig die Landesliga-Begegnung in Waltrop zu betexten?" usw.) zu verbringen, bevor ich um 20.30 Uhr aufbrach, um noch einen Termin (SSV-Disco) zu absolvieren, vom dem dann schnell noch 100 Zeilen plus Infokasten geschrieben werden mussten, bevor ich lieber mal früh ins Bett ging. Weil: Das hatte ich versprochen in einem Telefongespräch, in dem ich mich fragen lassen musste: "Und ich kann dich nicht davon abhalten, mit nach Kiel zu kommen? Ich meine, acht, zehn Stunden auf der Autobahn, um dann eineinhalb Stunden Spiel zu sehen plus vielleicht noch eine halbe Stunde quatschen...?!" All das jedenfalls lässt halt die Zeit rauschen.
Und was war? Keinen einzigen Tropfen Sprit habe ich bereut für die Fahrt nach Kiel, zu den Holtenau Huskies! Außerdem gibt es ohnehin schon genug Langweiler auf dieser Welt.
Also Kiel, die Mega-Stralsundhalle, die durchaus mal freundlichen Menschen des gastgebenden Vereins, die leicht verwirrt dreinblickenden Jungs von uns, das Chaos am Zeitnehmertisch und das Vater-Sohn-Schiri-Gespann, das seine Unsouveränität dadurch unterstrich, dass sie ausgerechnet mich fragten, ob das Tor vor oder nach der Schlusssirene gefallen ist. Da kann man schon mal böse werden. Da kann man schon mal ungeschmeidig rumschnauzen, als hätte man die Kinderstube nicht mit Löffeln gefressen (oder wie war das?!). Da kann man schon mal zehn Minuten Zeitstrafe einsacken und da kann man schon mal in 2:4-Unterzahl geraten.
Egal. Schön war's und high life, und zu gerne sitze ich dann mit dem Teamsprecher auf dem Hallenboden und lasse mir erzählen, wie er das fand, und wir rücken lieber ein bisschen weg von den Referees, weil: die kommen nicht so gut weg. Nett auch: "René, kümmer dich mal ein bisschen um Tamina. Ich muss jetzt duschen gehen."
Und schon war's wieder vorbei, der lustige Ausflug an die Ostseeküste. Noch schnell dem Norwegen- und Göteborgkai guten Tag gesagt, und dann, frei nach den Fanta Vier und "Rückenwind": "Ich packe meine Sachen und bin raus, mein Kind, Tami-U. ist auf der Reise und hat Rückenwind. (...) Wir betreten neue Wege, die wir noch nicht hatten. Ich nehm euch mit ein Stück in meinem Windschatten."
Und wenn er nichts gebracht hat, dieser Trip (aber: Und wie er was gebracht hat, ha! Einen schönen fetten Text-Block unter der Überschrift "Inlineskater-Hockey-Spieler auf Achse: Die wohl längste Halle der Liga" unter anderem...), aber: Meine Arctic-Monkeys-CD ist wieder da. Kann ja kein Mensch ahnen, dass die es sich in meinem Wechsler gemütlich gemacht hat. Aber wenn man mal so lange auf der A7 und A1 unterwegs ist, dann hat man genug Zeit, das ganze Magazin durchzuhören.
Spätestens Sonntagnachmittag auf dem Fußballplatz wurde einmal mehr ein Beleg dafür geliefert, warum ich manche Sportarten lieber und andere weniger lieb habe: "Ey, schreiben Sie auch über mich? Ich bin verletzt! Ey, wirklich. Ich hab ne Schambeinentzündung und ne Adduktorenzerrung." - Willkommen am unteren Ende der Niveau-Skala.
Und Sonntag sofort munter weiter. 9 Uhr Dienstantritt, gemacht, getan, gerödelt und geblödelt, zwischendurch dem Lokalchef des Ostvests "Scheiße, Scheiße, Scheiße" ins Gesicht gebrüllt - aber was kommt der mir auch ausgerechnet entgegen, wenn ich aus der Tür nach draußen stürze, um die ihren Bezirksliga-Aufstieg feiernden Borussen aus Ahsen zu fotografieren, weil mir just aufgefallen ist, dass ich keine Bild vom Spiel selbst habe, weil ich eine falsche Zeit im Terminplan stehen hatte und sich der Fotograf natürlich an das gehalten hatte, was auf seinem Einsatzplan stand? Na ja. Auf dem Weg zum feiernden Fußballvolk leider fast noch den freien Mitarbeiter F. (bester Mann des Tages!) überfahren, und das, nur weil er mir netterweise hinterhergerannt ist, um mir zu sagen, dass die Ahsener eben nicht im Vereinsheim sind, sondern in der Halle Langkamp. Uff. Gerade noch mal gut gegangen. Bisschen knapp war's, das gebe ich gerne zu. Aber Spaß hat's gemacht, ohne Ende.
BTW ist auch noch unsere Weltklasse-Ruderin zum Weltcuptitel im Achter geschippert. Und das trotz Schiebewinds in München. Und die SpVg hat den Klassenerhalt geschafft. Will man mehr?

26 Mai 2006

EGHN

Völlig zu Recht gehört der Rombergpark jetzt zum European Garden Heritage Network. Zumal ich heute rausgefunden habe, dass es ein gar idyllisches Café Orchidee gibt, direkt neben den Gewächshäusern und mit Blick auf Teich und im Angesicht der ganzen Rhododendron-, Magnolien- und Phlox-Pracht. Obwohl der heutige Nieselregen ziemlich fies war, war da heute die Luzzie los. Nicht nur die üblichen Läufer, die ihre Runden drehten (bestockte Walker, Hoechster Handballer im Vereins-T-Shirt, verbissen guckende Frauen), sondern auch unzählige Spaziergänger. Heute nahezu ausnahmslos beschirmt, außerdem gehörte zum Pflichtprogramm eine Jack-Wolfskin-"I will survive the Großstadtalltag"-Jacke (Väter), Gummistiefel (Mütter), und die armen Kinder haben sie in Ganzkörper-Regenanzüge gesteckt (wann gab es die denn beim Lidl?). Aber auch - ist ja schließlich Vatertag - halbwüchsige Bengels mit drei Krombacher-Fässchen im Bollerwagen. Und die Eisbude hatte auch auf. Genau das Richtige bei 12 Grad im Mai.

FIFA-WM allüberall

Ein weiterer Beweis dafür, wie sehr König Fußball das Zepter übernommen hat: Im NDR-Fernsehen werden gerade die "schönsten Fußball-Songs der Welt" ("Buenos dias, Argentina", "Er steht im Tor, im Tor, im Tor, und ich dahinter") präsentiert - und das nicht mal schlecht - , bei Romantiklabor gucke ich mir gerade WM-T-Shirts an, und hier links ist zu sehen, was mit den Telefon-Zellen in der Fußgängerzone Dortmunds geschieht.
Außerdem die Erfahrung gemacht: Ich stehe mir manchmal ganz schön im Weg. Da muss man erst Frau G. im ICQ treffen, die schreibt "Internet kann jeder, duschen auch", bevor man feststellt, dass man durchaus mal die Tagesplanung über den Haufen werfen kann. Zugunsten eines Kaffees im "Extrablatt". Und das auch noch ungeduscht. Skandal.

25 Mai 2006

Großreinemachkampftag

Tagesplanung kurzerhand über den Haufen geworfen. Neues Vorhaben: Bei Bruder das längst schon abgeholt haben wollende Regal holen. Dabei gedacht: "Ob man hier mal einer die Küche ein bisschen reinmacht?" Nicht lange mit Denken aufgehalten, sondern Scheuerschwämmchen, Lappen und entsprechende Chemie hervorgeholt und ein bisschen geschrubbt, gewischt und gesäubert. "Aber, aber, Schwester, das war doch nicht nötig... okay, äh, falsch. Es ist eigentlich doch nötig," höre ich ihn - weit draußen, in der Bretagne, mit Krümeln von pain chocolat um den Mund - schon sagen.
Jedenfalls sind die Scheuermilch, das Ceranfeld, die Fettspritzer an den Kacheln (*in Gedanken notier: "irgendso ein Fettspritzerreinigerzeug kaufen. Und Ceranfeldreiniger. Der ist auch alle"*) und ich gute Freunde geworden. Darüber hinaus ist vermutlich heute im Hause Vorwärtsstraße 3, 1. Stock, rechts, ein neuer Wasserverbrauchsrekord aufgestellt worden. Vor lauter Eifer habe ich mich wieder mal selbst verstümmelt (siehe Foto). Egal. Was tut man nicht alles, um zu erkennen: "Ah! Die Küchenfront hat doch kein Muster! Das waren nur Kaffee-Spuren!"

FIFA-WM direkt neben der Haustür

Das FIFA-WM-Fieber jetzt zum Greifen nah, nämlich 50 m neben meinem Hauseingang, am Johanneshospital. Wir sind FIFA-Klinik! Im Falle eines Schadensfalles, wie es im Offiziellen-Deutsch heißt, ist das Krankenhaus an meiner Straße nämlich - wie alle Krankenhäuser im Lande - gehalten, pro 1000 Belegbetten pro Stunde zwei Patienten mehr aufnehmen zu können; wenn hart kommt,sogar drei. Aber: Wir hier sind sogar noch was Besseres, denn wir sind für die VIPs zuständig. Wenn sich also Sepp Blatter beim Rasieren schneidet - wir kümmern uns. Wenn Luis Figo sein Radiowecker auf den Fuß fällt - Kühlbeutel gibt's im JoHo. Wenn Schiri sich eine Mandelentzündung fängt - nullo Problemo für Dr. Horst Luckhaupt und sein Team. Auch die Mitarbeiter des LOC, selbstverständlich inklusive des LOC-MO, versorgen wir gerne. Wer jetzt nur "o-o!" denkt, dem sei gesagt: LOC steht für Local Organizing Committee, und der LOC-MO ist der Medical Officer im lokalen Organisations-Kommittee. Das wär' ja was, wenn der LOC-MO auf die HNO im JOHO kommt... So viel "o" war da wohl noch no nie...

23 Mai 2006

Bierstadt

Gestern eine Lesung gehört und die wichtigsten Insider-Infos über den WDR, seine Bluthund-Reporter, die Borussen-Fipp-Launtsch und die besten Mandelhörnchen in Dortmund erfahren. Man kann sich über ihre Eitelkeit, ihre Scherze und ihre Klischee-Verarbeitung streiten, aber lesen kann sie, die Frau Wollenhaupt (Foto links von ihrer Homepage), und unterhaltsam war die Lesung auch, sehr. So ist das, wenn der Lokalpatriotismus angesprochen wird.
Anschließend im domicil gelacht, gequatscht, gelästert und eingeräuchert worden ("hier kokelt was!" "Äh, nee, Mini, das ist was Anderes...")

Nicht schön ist, dass heute 89 feingeschliffene Zeilen über meine Lieblingssportart und meine Lieblingsmannschaft auf 48 runtergestümmelt wurden. Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr. Rache folgt am Montag. Dann mach' ich 'ne Sonderseite... Vielleicht jedenfalls.

22 Mai 2006

Feierabend

Seltsam ist, wenn man an einem Sonntagabend um 20 Uhr aus der Sportredaktion geht und der Dienst zuende ist. Verwirrend - es ist ja noch hell! Was jetzt tun mit dem angebrochenen Tag?
Satz des Tages: "Bei uns wird pünktlich gegessen."Alles klar. Und bei uns wird ordentlich Zeitung gemacht. Damit meine ich nicht nur, dass eine maximale Anzahl von Fehlern getilgt werden, die Spielberichte möglichst liebevoll und das Besondere herauspickend verfasst werden und nicht runtergeschludert und in ein wackeliges Gerüst aus Floskeln und Phrasen gestümmelt werden solten. Dass aus der verfügbaren Foto-Masse das beste und treffendste herausgepickt werden, nicht jedoch die Seite nach dem Motto "ein Foto schreibt sich schnell" zugepflastert werden sollte. Dass man den Vereinen, über die wir berichten, mindestens Interesse, wenn möglich sogar Respekt entgegengebringt, und auch, dass die freien Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten und Stärken eingesetzt werden sollten.

Sie kriegen dich

Das fußballerische Groß-Ereignis wirft mit Schatten nur so um sich, streckt Fühler aus und hat jeden, der nicht bei drei auf einer einsamen Insel ohne Fernseher, Radio und Internet-Anschluss ist, bald in seinen Fängen.
Heute auf dem Bahnhof, wo sonst "Willkommen in Dortmund" aus dem Bahnsteiglautsprecher knarzt, während der Zug gerade noch die letzten Brems-Quietscher von sich gibt (die so willkommen Geheißenen also quasi gar nichts von dem freundlichen Gruß mitbekommen), war zu hören: "Willkommen in der FIFA-WM-Stadt Dortmund".

20 Mai 2006

Nein nein - doch!

Reizvoll wird die ganze Geschichte nur dadurch, dass mittlerweile nicht so ein Einheits-Mitwipp-Zeug für schmalzige Ohren geboten wird, sondern eine witzige Zusammenstellung von allem Möglichen dabei ist: Lieder, die keinem was tun (Schweiz) Hymnenartiges (Israel), A-cappella-Geschrummel (Moldavien), Kreischend-Twistiges (Dänemark), Abba-Angehauchtes (I do, I do, I do; Malta), Herzensbrecher "neeever let you goooo" (Russland), Orientalisches (Mazedonien), ein leicht atemloser, aber gut bei Stimme seiender hässlicher Vogel (Rumänien), Opernhaftes (Bosnien-Herzegowina), Fußballstadientaugliches "We are the Winners of Eurovision" (Litauen), Rappendes mit hüpfenden Schulmädchen im Hintergrund (UK), volle Hingabe (Griechenland), Schräges (Finnland, und so hässlich sind die nicht!), ein Shakira-Double (Ukraine), einschläferndes Geheule (Frankreich), eine Michael-Flatley-artige ("hoidoidoi") Nummer (Kroatien), Gesäusel, das seinesgleichen sucht (Irland), Hingabevolles (Schweden), Sssüperstar (kieks, kreisch) (Türkei) und durchaus in die Beine Gehendes (Armenien).

Nein nein niemals

Buah, dieser Eurovision Song-Contest (vormals Grand Prix d'Eurovision) ist ja eine Zumutung! Ich weiß gar nicht, was ich unerträglicher finden soll - den deutschen Moderator Peter Urban, der nichts Besseres zu tun hat, als unqualifizierte Kommentare über die Kandidaten anderer Länder abzusondern ("so was haben wir leider schon zu oft gehört", "da kommt auch noch die unvermeidliche Bauchtanz-Einlage", "da hat Armenien ja bei seinem ersten Auftritt schon einiges aufgeboten, was man an Klischees braucht") und dabei mit dem Temperament eines Nachttischs aufwartet. Oder die zwischenzeitlich eingeblendeten Bilder griechischer Touri-Attraktionen (Metro-Station in Athen, Weiß-Blau-Ensembles ägäischer Anmutung etc.). Oder den unaufdringlichen Akzent der Moderatoren in Athen ("Annt now, leddies annt dschenntlmn, si unkommparrabal miessis Nana Mouskouri!") Ziemlich stocksteife Angelegenheit, das Ganze. Und das soll mich drei Stunden gebannt vor dem TV halten? Nö. Aber: Texas Lightning waren natürlich, wie zu erwarten war, sehr großartig. Cool haben sie sich da hingestellt und ihr "No no never" hingelegt. Ich meine ja, es wurde mehr gejubelt als bei den anderen Songs. Angenehm unaufgeregt waren sie. Und Herr Olli Dittrich war ja legendär hinter seinem Schlagzeug: locker mitträllernd, fröhlich trommelnd und doch sehr hinreißend.

16 Mai 2006

Schranktür keeps falling on my Zeh

Wenn im Montage-Anleitungs-Flyer des IKEA-Kleiderschrankes Malm (siehe links) zwei Männchen abgebildet sind, die die Türen anheben, um sie in die drei dafür vorgesehenen Scharniere im Schrank-Korpus einzuhängen, dann meinen die wohl auch, dass man das zu zweit machen sollte. Sonst hat man schnell mal die Tür auf dem rechten großen Zeh. Das Blau steht ihm ganz gut zu Gesicht Nagel, aber der Schmerz ist irgendwie doch nicht so leicht zu ignorieren. Na ja. Bis ich heirate ist das wieder gut. :-)

15 Mai 2006

Hinter Schloss und Riegel

Ich glaub, ich bin heute nicht ganz frisch. Ich sitze mit Kollegin N. im Büro, gehe irgendwann, den Wasserkocher unterm Arm, raus. Komme wieder, sagt sie: "Du hast gerade was Lustiges gemacht: Du hast mich eingeschlossen!" Ich: "??? - Echt??" Nichts gemerkt. Hatte ich wohl völlig im Tran und pflichtbewusst den Schlüssel rumgedreht.
Gesteigert wird das nur dadurch, was Kollegin S. mir daraufhin erzählte: Sie wurde auch schon einmal von einer Kollegin eingeschlossen. Nur dass diese dann wiederkam, die Tür zu öffnen versuchte, S. entriegelte von innen, um dann von der Kollegin gefragt zu werden: "Oh, haben Sie sich eingeschlossen?"

13 Mai 2006

Ringen

My first Ringer-Turnier. Nein, das ist nicht mein Sport. Gemerkt, dass ich mein Gesicht immer mitverziehe, wenn die sich angestrengt auf dem Boden wälzen. Ästhetikpunkte: null. Na ja. Hauptsache von der Straße runter. Interessant allerdings: Das Turnier in der Realschulhalle nannte sich nationales Turnier. Das Fremdsprachenportfolio bestand hier allerdings aus Deutsch (klar), Russisch, Türkisch und Französisch. Nicht schlecht.
Nett ist auch, wenn ich abhaue und einer sagt: "Schade eigentlich..."

Plauze

Der Sommer bringt die Draußen-Sportarten nach vorn, klar. Klar und gerne und am liebsten am Kemnader See. Und dort in Laufschuhen oder jetzt auch wieder auf Inlineskates. Aber: Männer! Bitte, ihr seid doch an erster Lästerstelle, wenn ihr Frauen, Mädels, Drecksbabes, Schnallen seht, die bauchfrei rumlaufen und es wegen unerquicklicher Körpermassen besser sein ließen, oder? Wisst ihr eigentlich, dass das Gleiche auch für euch gilt?! Nein, eure Fettplauzen werden nicht ansehnlicher, wenn ihr dazu eine selbstgefällige Miene wie King Louis aufsetzt. Nein, ein Sixpack besteht nicht aus sechs Rettungsringen. Nein, auch begleitet von dem Spruch "Alles Muskelmasse!" fangt ihr mit eurem Bauchspeck keine Mäuschen. Also bitte: Lasst das T-Shirt an.
Aus gegebenem Anlass, Lied des Tages: "You can leave your T-Shirt hat on".

Anders als gedacht

Es gibt Tage, die gehen einfach anders aus als gedacht, geplant, ausgemalt, vorgehabt. Da macht man einen Redaktionsdienst - und ja, zwei Seiten sind durchaus nicht zu viel für einen Samstag, auch für jeden anderen Wochentag abgesehen von den Montagen, an denen man gut und gerne fünf bis manchmal sogar sechs Seiten braucht und machen sollte - und ist abends, wie man so schön sagt, rechtschaffen kaputt. Dann aber gibt es da einen freien Mitarbeiter, dessen Texten man alles vorwerfen kann, nur nicht, dass sie in unangemessener Eile oder schludriger Hektik verfasst werden. Wenn man nun von diesem noch einen Schlüssel braucht, um in der Wohnung seines Bruders den Akkuschrauber für das Aufbauen des neuen und motiviert durch den während eines Telefon-Recherche-Gesprächs bei Ikea einen Schreibtischstuhl kaufenden Trainer/Sprecher einer Sportmannschaft erstandenen Schlafzimmerschrankes zu holen (zu kompliziert, der Satzbau?), dann kann es schon mal sein, dass man beim Schlüssel-Abholen erst noch auf ein Glas Sekt oder zwei festgenagelt wird. Wenn dann aber der freie Mitarbeiter aufgrund seines Abschiedes von dieser Redaktion im Laufe des Tages schon mehr als an dem Prickelgetränk genippt hat, dann fährt man ihn besser zu seinem Abendtermin hin. Wenn dieser Termin dann aber ein cooles Konzert einer außergewöhnlich guten Band mit reißender, schneller, einfalls- und abwechslungsreicher Musik, neuerdings durchsetzt durch Ska-Elemente, ist - und die Begleitung natürlich exzellente, tiefgründige und erfrischende Unterhaltung verspricht -, dann bleibt man hier gerne mal, bis die Caballeros zuende gepleckt haben. Wenn man dann den freien Mitarbeiter zu seinem Auto bringt und nach und nach immer mehr Dinge ans Abendlicht kommen, über die man ohnehin schon immer mal über einem Bier sprechen wollte, dann wird es eben schnell mal elf, bis man loskommt.
Merke: Flexibilität ist, auch wenn ich sie so gern meine Eigenschaft nennen würde, nicht immer meine Stärke. Umso erfreulicher die Erfahrungen, wenn ich doch mal anders als gedacht handele und den Tag einfach laufen lasse.

12 Mai 2006

Summer in the City

Ich hatte vergessen, wie schön es ist, wenn richtig Sommer ist. Wenn Pflaster an den Füßen zur Garderobe gehören - weil diese wunderschönen filigranen Sommersandälchen mit ihren Riemchen und Schnallen nicht anders können als Blasen zu produzieren. wenn man morgens aus dem Haus geht und schlicht vergisst, eine Jacke mitzunehmen, weil es schon zur Frühstückszeit warm genug ist. wenn die Haare nach dem Schwimmbadbesuch schon wieder trocken sind, bevor man am Auto auf dem Parkplatz angekommen ist. Wenn man nicht überlegt, ob die Dusche vor dem Freibadbecken jetzt sehr kalt, eiskalt oder viel zu kalt ist. Sondern einfach nichtwimpernzuckend drunterspringt. wenn man das Fenster im Auto daueroffen lassen kann, auch auf der Autobahn.
Ansonsten ist Bukarest (siehe Fotos) schon wieder eine ganze weile weg. Langsam bin ich wieder runtergekommen. Brauchen wir dieses Land schon jetzt in der EU? Ich meine, es gibt beträchtliche Unterschiede. Aspekte, bei denen sie in diesem südöstlichen Land noch sehr andere Werte und Organisationsformen des öffentlichen Lebens und des Gemeinwesens haben, als wir sie gewohnt sind. Seltsam zum Beispiel, dass wir - trotz anderslautender Bitten und Hinweise - immer wieder opulente und teure Mahlzeiten in Restaurants einnahmen, deren Besitzer den Organisatorinnen wohl bekannt waren. Bemerkenswert auch, dass immer wieder darauf hingewiesen wurde, wie sehr sie mit westlichen Maßstäben mithalten können - und zwar von Unterrichtsstandards über die Produktpalette
der Geschäfte, die Größe der Gebäude, die Schönheit der Parks, die Fähigkeiten der Schüler, das Kulturprogramm in Theatern und Opernhäusern.
Intensiv war es, erlebnisreich und generell bereichernd, so viel steht fest.
Bleibt noch zu bemerken, dass ich bekanntlich Leute, vor allem Kollegen, nicht mag, die sich aus der bunten, schönen, aufregenden Welt immer nur die schlechten Dinge rauspicken. Auch mag ich nicht, wenn jemand (unter anderem) meine Arbeit als von "Masse statt Klasse" geprägt bezeichnet. Wenn er oder sie die Torjägerliste, die ich gerade weiterführe, als Blödsinn ansieht. Mit doofen Totschlag-Sprüchen kommt wie "das bringt ja keinen Leser mehr". Fragen stellt wie: "Macht er [gemeint war ein freier Mitarbeiter] das öfter, so kurzfristig absagen? Das wäre für mich zum Beispiel ein Grund, den auf die Abschussliste zu setzen." Tja, Madame, das hat er ganz und gar freiwillig und freudig schon selbst getan. Hä! Na ja. Heute mach ich jedenfalls Dienst. Und zwar nach unseren, meinen, den guten und engagierten Maßstäben.

08 Mai 2006

Zurück in der EU - juhu!


So - siehe Foto vom Parlaments-Gebäude (Rumänisch: Palatul Parlamentului), auch: Haus des Volkes (Rumänisch Casa Poporul) - war Bukarest. Überwältigend, mega, bombastisch, beeindruckend. Und alle diese Attribute gelten nicht nur und nicht immer in ihren positiven Ausprägungen.
Details später.

Flipflop

Der Sommer ist ausgebrochen. Studis an der Uni Paderborn bringt das dazu, ihre Flipflops aus dem Schrank zu holen. Solche, die wohl für teures Geld in Designer-Outlets geshoppt wurden, und solche, die bestenfalls für Unter-der-Dusche taugen. Schlappt ein Student mit eher zu letzterer Kategorie gehörigen Exemplaren an den Füßen so von der Mensa-Wiese in Richtung P1-Gebäude. Ich denke noch: "Oh, tatsächlich sind offensichtlich Flipflops jetzt nicht mehr nur strand- oder freizeittauglich, sondern auch schick genug für inne unni." Ruft ein anderer ihm - mit Fingerzeig auf das Fußkleid - zu: "Hey, wo kommst du denn her? Vom Angelausflug?"

30 April 2006

Cineasmus

Uh-puh, wie die Zeit rennt. Zeit, endlich mal ein- und nachzutragen, was die Tage so füllte.
Ein ziemlich genialer Kinofilm am Donnerstagabend beispielsweise: FC Venus. Noch als der Vorspann lief, liefen bei mir die Lachtränen aus den Augen. Zum Beispiel wegen Zitaten wie diesen: "Du kannst einen Mann aus dem Verein nehmen. Aber du kannst den Verein nicht aus dem Mann nehmen." (Spielerfrauen zu Neu-und Ungewollt-Spielerfrau Nora Tschirner als Anna) . Oder: "Das hier ist dritte Kreisklasse. Und da ist der Schiedsrichter Gott. Und der macht, was er will!" Oder "War nix, Schiri!" Fußballplatz, wie er leibt und lebt und brüllt. Immer wieder unterbrochen von "Es gibt nur ein' Paul Kuhn!" (Paul Kuhn wird von Christian Ulmen darstellt. Christian Ulmen Schauspielgott, sag ich da. ) Einer dieser Filme, bei denen ich am liebsten nachts noch in den Saturn eingebrochen wäreund den Soundtrack gekauft hätte. Und the BossHoss sind halt einfach gut. Gut, um eine wunderbare Version von "You'll never walk alone" zu liefern. Die werden wir diesen Sommer noch öfter hören, da bin ich recht sicher.
Heute dann zweites Kino-Erlebnis (wenn Kino, dann viel Kino), nämlich "Wie im Himmel". Was ganz was anderes, aber auch so ziemlich sehr schön. Rührend und voller seltsamer Menschen, die auf seltsame Art und Weise zusammenleben in einem schwedischen Kaff und die einen Chor gründen mit einem ehemaligen Weltklasse-Dirigenten, der seine Kindheitsspuren und den Zauber der Liebe sucht. Für ein so friedliches Thema floss da viel Blut, das muss man sagen. Und im Studio leierte und eierte der Ton dieses Films, in dem es ja eigentlich gerade auf dieses Element ankommt, gar grauslich. Wahrscheinlich, weil sie den Film schon so oft durchgenudelt haben.
Zuwachs in meiner Kameratasche gab es auch. 85 mm hat das neue Schätzchen und eine Lichtstärke von 1,8. Jetzt können sie kommen, die Sporthallen dieser Welt; auch die finsteren. Hah! Handballer vom TV Datteln, die ihr morgen das alles (okay, nur den Aufstieg in die Bezirksliga) entscheidende Spiel gegen Hattingen II habt; Inlineskater-Hockey-Spieler, ich bin euch auf den Fersen; Jazz- und Modern-Däncerinnen, beim Turniertag in Recklinghausen wirbelt ihr auch vor meine Optik!
Abgesehen davon halte ich es für reichlich ungehörig, wenn am 29. Mai noch nur 6 Grad morgens herrschen und nachmittags Hagelkörner und Regenwände vom Himmel kommen. O-Ton Kollege E. (der geschützt und waschlappenhaft unter Zeltdach stand): "Da bin ich aber enttäuscht, Tamina, dass du jetzt schon ins Trockene kommst." "Nicht, um mich zu retten. Nur wegen des Equipments", konnte ich da aus meiner Anti-Zucker-Haltung und mit Blick auf den kleinen Tümpel in der Gegenlichtblende meines Tele nur erwidern.

Lieblingszitat des Freitags: "Hat S. dir schon von deinem Glück erzählt?" "Glück würde ich das nicht nennen." Ich mag ab und zu gerne, wenn Männer auch mal vergessen, was sie sagen wollten.
Zweites Lieblingszitat: "Dann wären wir mit dem Klammerdeckel gepudert."

Und am Mittwoch geht's nach Bukarest. Das kann was werden. Bin gespannt, was diesmal für Zoff sorgt. Aber spannend wird's, so viel steht fest. Und von Zickenterror aus der Alpenrepublik lass ich mich jedenfalls nicht stören. So!!

26 April 2006

Schlecker kann nichts




Hallo liebe Fotoentwickler von Schlecker. Wenn ich auf der Hülle "Digital-CD" in dem von euch vorgesehenen Kästchen ankreuze, was meine ich dann damit wohl? Dass ich meine entwickelten Fotos aus dem Bretagne-Oster-Urlaub vielleicht nicht nur als Abzüge und als Negativstreifen, sondern auch als digitale Daten-Sammlung auf CD haben möchte? Könnte das sein? Und warum habe ich dann keine CD in der Hülle? Okay, verziehen. So hatte ich einen Grund, endlich mal die Scan-Funktion meines Scanner-Drucker-Kopierers zu testen.
Und das Ergebnis: Oben die Dokumentation dessen, was notwendig wird, wenn man einen Renault Mégane mit angezogener Handbremse 48 Stunden an bretonischer Luft hat stehen lassen. Mittig die Dokumentation dessen, was der Osterhase (lapin de Pâques) hinterlassen hat und unten der liebreizendste Lulu und allerbeste Osternester-Sucher und -Aufteiler bei der Arbeit (Motto: Naschen erlaubt, vernünftig gegessen wird später).

English for soccer goalkeepers

Lieblingszitat des Tages: Jens Lehmann (hat dem FC Arsenal den Einzug ins Champions-League-Finale gesichert, indem er gestern im Spiel gegen Villarreal CF einen Elfmeter von Juan Roman Riquelme festgehalten hat) zu Journalisten: "We had the game in the grip."
Der Vollständigkeit halber sei hier ergänzt, dass er hinzufügte: "Or how do you say?"

25 April 2006

Jaaaa, mir sa'n mi'm Radl da, jaaaaa, mir sa'n...

So sicher wie der Osterhase am 6. Dezember kommt und das Marmeladenbrot auf die Schokoladenseite fällt, setzt allfrühjährlich die allgemeine Lästerei über das, was Jan Ullrich morgens auf seiner Waage abliest, ein. Mööönsch! Lasst ihn doch mal in Ruhe! Der nascht halt gern. Crunchips Créme Fraîche (mit 30 Prozent weniger Fett) kommen dem gar nicht in die Tüte, der mag bestimmt lieber Schokobons als Möhrensticks. Der fährt auch lieber bei Sonne Fahrrad und guckt halt im Winter eher ViB oder WWM oder spielt Pleee-sie, anstatt Kilometer auf der Rolle abzureißen. Aber natürlich muss CSC-Teamchef Bjarne Riis den Spielverderber und Mäkel-König machen: "Jans Form ist katastrophal", sagt der Mann und dass er "zehn Kilo zuviel" auf den (eher doch wohl um die?) Rippen habe und überhaupt seinen Beruf nicht ernst nehmen würde.

Ich schlage mich eindeutig auf Rolf Aldags Seite: "Ulle hat es mal so beschrieben: Er hat im Jahr einen 10-Liter-Eimer voll Motivation zur Verfügung. Diesen kann er natürlich Schluck für Schluck im Laufe des Jahres austrinken oder eben alles im Juli bei der Tour."

Dabei fällt mir auf, dass diesmal niemand mit mir im Büro mit glühender Begeisterung Jans Web-Tagebuch verfolgen wird *kleiner trauriger Blick auf K.s leeren Schreibtisch*. Dramatische und weltverändernde Nachrichten wie "Hallo Fans, ich habe drei Stunden Schnee geschippt, um meine Einfahrt und den Zugang zum Haus freizubekommen", die Jan gerne mal (und er schreibt das doch selbst!) niederschreibt, werde ich mir wohl allein reinziehen müssen.

Jetzt ist erstmal Tour de Romandie. Fünf Etappen plus Prolog, 656,3 km und 7393 Höhenmeter. Und Bjarne: Wir sprechen uns am 23. Juli. In Paris.

(Foto von: www.sport.ard.de)

24 April 2006

Mach was draus

"Man wird als Entwurf geboren und dann macht man einen Menschen aus sich."
Sagt André Heller bei Beckmann.

Zitate...

So viele kleine Juwelchen und Freuden-Quellen in der Zeitung. Die Ruhr-Nachrichten berichten z.B., dass der SSV Hacheney (Fußball-Kreisliga C2) gegen die Mannschaft von SV Empor Berlin beim Coca-Cola-Ticket-Kick in Berlin 1:2 verloren hat. "Hacheneys Trainer mutmaßte schon vor dem Spiel, dass der SSV die Bahnfahrt von Dortmund nach Berlin nicht gut bekommen würde." Das nenn' ich mal eine feine Umschreibung von "die Jungs haben sich schon im Zug so die Kante gegeben, dass sie im Spiel keinen gerade Schuss mehr hingekriegt haben"!
Zweites Lieblings-Zitat: "Man kann kein Spiel mit halber Backe gewinnen." Was immer das heißen mag, es sagte jedenfalls der Trainer vom ASC Dortmund nach der 22:27-Niederlage in der Handball-Landesliga.

Vier-Gold-Sterne-Maren

Da fährt sie am Wochenende mal eben an den Beetzsee in Brandenburg zur Deutschen Kleinboot-Meisterschaft, rudert sich die Milchsäure in die Arme (äh, nee, das macht sie sicher nicht, ist ja Profi, die Maren) und dann schnappt sie sich mal eben in 7:18,20 Minuten die Goldmedaille im Frauenzweier ohne Steuerfrau. Glückwunsch!







(Foto: www.frauenachter.de)

21 April 2006

Worteinsatzschwierigkeiten

Es sammelten sich mal wieder einige Beispiele an, was man Schönes aus und mit der deutschen Sprache machen kann.
Gestern zum Beispiel - außer Konkurrenz, aber mit dem Extra-Preis für Niedlichkeit - kam T., ein Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Menschen mit mentaler Behinderung in der Redaktion vorbei und erklärte mir gerade, wie der Kontakt von seinem Trainer zu meinem Kollegen E. zustande kam. "... und dann haben die sich am Fußballplatz getroffen und haben dann Kontakt [kleine Pause, in der T. nach dem richtigen Wort sucht] ... aufgeschlüpft!" Kontakt aufschlüpfen, das finde ich zu nett. Das benutze ich ab sofort auch!

Zweites nennenswertes Zitat, heute im Kreisliga-A-Vorschau-Text: "Beim SV Horneburg ist der und der verletzt, der und der hat gerade eine OP hinter sich und wird daher auch nicht spielen können und dem und dem ist ein Schrank auf den Fuß gefallen." Trockener Kommentar J.: "Gut, dasser nich davor gelaufen is!"

Drittens, das Geburtstagskind (links) himself: "Geilen Blumenstrauß von RWE gekriegt. Sowas stößt man ja auch nicht gerade von der Tischkante... Oder wie heißt das? Tischkante? Bettkante?"

19 April 2006

Antibias leicht gemacht

Die einen schreiben ganze Doktorarbeiten darüber. Die anderen holen rasch mal den Holzhammer raus und erklären uns während eines Infoabends über Deutsch-Türkische Elternvereine das Prinzip des Antibias so: "Da hat mal ein Lehrer an einer Schule zu mir gesagt, der Ali, mit dem haben wir keine Probleme. Der ist wie ein Deutscher. Da hab ich zu dem Lehrer gesagt, das ist falsch gedacht. Der Ali ist wie er ist." So! So einfach ist das.
Und überhaupt hatte der Herr D. noch einige weitere pädagogische Patent-Rezepte parat: "Lassen Sie die Kinder nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen. Das macht die Menschen dumm. Das Fernsehen führt dazu, dass Menschen einsam werden. Und dann müssen sie sich einen Hund kaufen." A-ha! Oder: "Eine gefestigte Identität und Selbstvertrauen des Einzelnen sind wichtig für die Integration. Identitätslosigkeit führt zu Hilflosigkeit und Angst. Und dann nehmen die jungen Leute Drogen, Haschisch und Heroin und Alkohol und so." Aufgepasst also, dass wir alle immer schön genau wissen, wer wir sind, sonst - schwupps - hängen wir ratzifatzi an der Nadel oder an der Flasche.

In der Moschee (!) bleibt es Bürgermeister M. da nur, zu den (natürlich islamisch gläubigen) Menschen zu sagen: "Um Gottes Willen, es soll niemand seine Identität aufgeben, um Gottes Willen, nein nein!"

18 April 2006

Darum ist es in der Bretagne so schön

Es sind die kleinen Feinheiten, die machen, dass man sich auch für einen Vier-Tages-Aufenthalt diese Strecke allein um die Ohren schlägt, Spritpreise ohne viel (s.u.) mit den Wimpern rumzuzucken registriert und bereitwillig immer wieder an den gares de péage Halt macht, um für den weiteren Erhalt französischer Autobahnen zu spenden.
Es ist zum Beispiel, 1050 km ohne Landkarte und Wegbeschreibung fahren zu können. Es ist, an der ersten Raststätte auf französischem Boden anzuhalten und einen Kaffee zu kaufen. Es ist, die Tickets der gares de péage in den Lüftungsschlitzen festzuklemmen. Es ist, fast eine halbe Autofahrtsstunde an der Baie du Mont Saint-Michel immer wieder den Klosterberg sehen zu können. Es ist die überschwengliche Begeisterung der Franzosen für Kreisverkehre, die sie bisweilen nur mit Hilfe einiger Mega-Legosteine auf dem freien Asphalt bauen. Es ist, stangenweise Baguette in sich reinzustopfen, als wenn's kein Morgen und keine nährstoffreichere Nahrung gäbe. Es ist auch, den niedlichsten und liebenswertesten Nachbarsjungen zwischen Camaret und Fougères, zwischen Roscoff und Plougastel neben sich wohnen zu haben, der bei der Ostereiersuche vor lauter Begeisterung vergisst, in welcher Sprache er zuerst juchzen soll. Es ist, Freunde mit Steinhaus zu haben, die kochen können, dass sich sogar Kerners Köche-Runde die Finger lecken würde - ich sag nur "schwarze Kartoffeln, roter Reis, Seeteufelsäckchen (oder -bäckchen?!), Morcheln und Tarte Tatin". Auch, weil man selbst bei 9 Grad kaltem Wasser und 7 Grad Lufttemperatur durchaus zwei Stunden auf dem Katamaran aushalten kann. Zwar kann man danach seine Füße nicht mehr spüren und braucht den halben Vormittag dazu, wieder Leben in die Glieder zu bringen, aber Spaß macht's. Und wie. Auch, weil französische Bands erst eine Weile Anlaufzeit brauchen. Und wenn sie sich nach drei Terminen endlich mal treffen, dann stellen sie fest, dass nicht alle Instrumente da sind. Und dann gehen sie eben lieber Rum trinken. Mit Kokos- und Mango-Aroma. Und einigen sich erstmal auf den Stil. Aber wir waren dabei, und wenn sie einst auf dem Cover vom Rolling Stone sind, dann sind wir die Zeugen der ersten Schritte.
Auch, weil an der salzig-feuchten Luft schon mal die Handbremse anoxidiert und man mit Hilfe eines findigen Stiefbruders und dessen autohandwerklichen Geschicks das Rad abbaut und die Handbremse losklopft und per Spray entrostet. Und nicht zuletzt, weil sich außer Coquille de l'encontre wohl kein Ferienhaus der Welt so gut dazu eignet, am Karfreitag mit Hingabe einen Sinbad-Zeichentrick-Film zu gucken und den Tag komplett zu verlungern. Weil der Gärtner Stéphane den schönsten tondeuse im Umkreis von 78 Kilometern hat. Weil Rehe durch den Garten hoppeln und Möwen in der Luft kreischen. Weil die Austern sich nicht mit Vogelgrippe anstecken können, weil sie, so die bretonischen Einheimischen, ja auch schließlich keine Lungen haben. Weil es nirgendwo so viel Spaß macht einzukaufen wie im Géant von Lannion. Weil es Spaß macht, auf dem Markt zwei Stücke "faux fillet" für knapp 9 Euro zu erstehen und unter Dauer-Kichern wegen dieses "Schnäppchens" den Händler zu verwirren. Auch, weil niemand so geheimnisvolle Crépes-Rezepte hat wie Julien. Weil die einzig passende Antwort auf die Frage: "Und, was hast du gefrühstückt?" "Brot mit Schokolade" ist.
Weil hier einfach immer sofort alles gut ist.

Belgien raus aus der EU!

Nichts zu machen. Dieses Land hat verloren. Wieder musste ich da durch, nutzt ja nichts, ist nun mal der kürzeste Weg in die Bretagne, und wieder gab's Ärger. Auf dem Hinweg hielt es sich noch in Grenzen, sieht man von den üblichen Belästigungen wie lausig Auto fahrenden Mitmenschen, Mega-Schlaglöchern und der puffartigen roten (!) Straßenbeleuchtung sowie den seltsamen Zusammenlegungen von Fahrstreifen auf der Autobahn mal ab. (Da fährt man nichtsahnend vor sich hin, und auf einmal fließen - ohne jede Beschilderung! - zwei Bahnen zusammen.)
Aber auf dem Rückweg. Der Klassiker. Sprit geht langsam zur Neige. Noch auf französischem Staatsgebiet ein Blick auf die Preise der Autobahntankstellen: "Nee, zu teuer." Beschluss: "Ich fahr ab. Valenciennes, das liegt doch direkt neben der Autobahn. Da wird doch was zu machen sein."
Auf den ersten Blick schien ich eine gute Ausfahrt gewählt zu haben. Ein McDonald's, ein Kino-Komplex, ein Supermarkt (natürlich geschlossen, war ja Ostermontag). Aber: Wo ein McDonald's, da meist auch eine Tanke. Nö. Hier nicht. Oder besser: Doch eine Tanke, aber eine solche, die nur dem das oktanhaltige Gebräu ausschenkt, der durch eine geheimnisvolle Karte französischer Banken als Mitglied des elitären Clubs der Automatische-Tankstellen-Benutzen-Dürfer akkreditiert ist. Also weitergekurvt. Durch ein Wohngebiet, in dem ich allen Ernstes überlegte, ob ich nicht aussteigen und eine Mülltonne anzünden soll. Gepasst hätte es in die Gegend. Natürlich keine Tankstelle. "Lange gurkst du nicht mehr rum", denke ich noch so bei mir. "Nur noch diese Straße, bis zum Ende. Da sieht es so aus, als wäre da was." "Was" müsste ja noch nicht mal sein, eine Tankstelle hätte gereicht...
Muss ich erwähnen, dass ich annähernd eine halbe Stunde durch Valenciennes geeiert bin? Möchte jemand eine Stadtrundfahrt? Ich weiß nämlich jetzt bestens Bescheid, wo der Bahnhof (la gare), die Handelskammer (chambre des commerces), die Feuerwehrhauptwache (station des pompiers) und das Rathaus (mairie, derzeit mit Riesenbaustelle verschandelt) sind. Effekt derartiger Ausflüge ist bedauerlicherweise auch, dass mein armes Auto die ganze Wut abbekommt. Bodenwellen werden überfahren, als wenn nichts wär', Blinkersetzen fällt aus wegen Aggressionen, Tempolimits werden missachtet, quasi zur Strafe, weil mich diese elende, tankstellenlose Stadt so genervt hat.
So. Irgendwann doch wieder auf die Autobahn gelangt. Half nichts, jetzt war ich schon fast in Drecks-Belgien. Das war überhaupt das Ärgerlichste an der Affäre: Dass ich jetzt mein Geld belgischen Tankstellenbesitzern in den Saugrüssel werfen müsste. Aber nun. Man will ja ankommen. War mittlerweile schon 20.30 Uhr und noch 400 km zu fahren. Allein.
Kaum über die Grenze, empfangen mich wieder die unseligen Autobahn-Zustände dieses nichtsnutzigen Landes, die Trennfugen haben, wofür in Deutschland eine Tempo-30-Zone (Vorsicht! Bodenwelle!) eingerichtet würde. Es gibt auch Städte, die haben Namen, die würde man seinem ärgsten Feind nicht als Krankheit an den Hals wünschen: Ghlin. Oder Morlinwelz. Oder Hannut. Oder Bierwart. Aber ich schweife ab. Ab auf die Shell-Tanke, gut mit Autos bestückt, weil: Jetzt wollten gerade alle tanken, die aus dem Osterurlaub kamen. Fahre ich an die Säule 10, an der nur ein dusseliger Holländer parkt, der, des Rückwärts-Fahrens nicht mächtig, mich nötigte, noch eine Extra-Schleife zu drehen, damit er wegkonnte. Peanuts. Zapfpistole an den Tank gehalten, Hebel gezogen - nichts. Kein Sprit floss. Noch einmal die Aufschrift an der Säule studiert, die die Inhaber dieser Tankstelle freundlicherweise in vier Sprachen, auch Deutsch, angebracht hatten: "Zwischen 21 und 6 Uhr zahlen Sie bitte vor dem Tanken." Ist ja kein Problem. Ist ja erst 20.40 Uhr. Es tat sich nichts. Schon leicht auf 180 in die Tankstelle reinmarschiert. Natürlich war eine Schlange vor dem Schalter. "Madame, la dix (die Zapfsäule Nummer 10) ne functionne pas!" "Oui. Il faut payer en avant." "Mais ce n'est pas 21 heures!" "Il faut payer en avant tous le jours! La dix, c'est l'autre côté!" Ich: "???" Sach mal, habt ihr sie noch alle? Warum schreibt ihr dann dran, dass man erst um 21 Uhr vorher bezahlen muss, wenn das doch den ganzen Tag gilt? Und was zur Hölle hat es mit den Zahlungsmodalitäten zu tun, auf welcher Seite (die Säulen standen ohnehin alle in einer Reihe, nur dass die 10 die alleräußerste war) die Säule steht? Die Mittanker werden sich ein wenig gewundert haben, dass ich wilde Flüche ausstoßend ("Drecksblödmännerspinnerarschlöcher!") mein Auto betankte.
Muss ich noch erwähnen, dass 95-Oktan-Sprit hier 1,41 Euro (zwei Tage vorher in Lannion: 1.23 Euro) pro Liter kostete? Da muss man sich wehren, finde ich. Der Klo-Beaufsichtiger hat keinen müden Cent von mir gesehen. Trifft den Falschen, ich weiß, aber Rache ist Geizkragen.

(Foto: www.avv.de)

12 April 2006

Wir holten den Titel

Seit gestern ist es raus: Essen wird Kulturhauptstadt 2010, und im Schlepptau hat die sympathische Zeche-Zollvereins-Stadt die restlichen 52 Ruhrgebietsstädte.
Kommentar eines O-Ton-Gebers gestern im WDR: "Ey, voll super, hier is ja auch alles kultimulti, ey, so alle unter ein Dach, ne?!" Jo, Alder!

10 April 2006

Wenn der Tag lang ist...

...reden die Leute gerne mal lustig und viel. J. zum Beispiel; am Telefon, mir Bescheid sagend, wann er in die Redaktion kommt. "Ich muss jetzt erst noch mit unserem Dackel rausgehen." "Oh, da bin ich aber neidisch. Ich würde jetzt auch gerne mitm Dackel rausgehen, anstatt Zeitung zu machen." "Du? Du könntest ja fast auf unserem Dackel reiten!"
Oder die Jahreshaupt-Versammelten bei SWM. Kassierer verliest Kassenbericht: "Einnahmen bla, Ausgaben bla, Bar-Bestand bla, macht insgesamt - bla. Hat noch einer Fragen zum Kassenbericht?" "Der Marc braucht noch neue Fußballschuhe."
Bericht der Alt-Herren-(!)Abteilung: "Ja, äh, uns fehlt der Nachwuchs. Wir wollen auch mal irgendwann Eigengewächse haben."
Bericht der Herren-Gymnastik-Abteilung: "Wir suchen neue Leute." Kommentar der Damen-Gymnastik-Abteilung: "Macht doch mal gemischt. Dann kommen bestimmt mehr." Ha'm wir gelacht.

Brokeback Mountain

Manchen ist das zu wenig Handlung. Manche finden ihn zu sehr hochgejubelt. Ich fand Gefallen an Brokeback Mountain. Endlich mal wieder Kino! Aber was soll man auch tun, wenn seit geschätzten 67 Wochen erstmals ein Samstagabend mal arbeitsfrei bleibt. Und wenn keiner auf AB-Sprüche reagiert, ich weder auf Osterkarten-Schreiben noch auf Telefonieren noch auf sonstige Nützlichkeiten Lust habe. Brokeback Mountain war da genau das Richtige. Ein schöner Film über die Tragik der Liebe. Zum Heulen. Aber erst beim Abspann. Für alle die, die nicht die Liebe bekommen, die sie verdienen oder endlich gefunden haben. Ein Film mit Wucht und mit Bildern, die ihresgleichen suchen.

Wochenend und Regenschein

Es war vermutlich nicht so eine gute Idee, am Samstag die Palmkirmes aufsuchen zu wollen. Aber was tun, wenn man insgesamt sechs Kindern ebendas schon versprochen hat und sie jetzt nur noch "Karussell!" "Ich will so'n Herz!" und "Geisterbahn!" im Kopf haben. Dann zieht man eben los. Möglichst mit halbfesten Schuhen. Möglichst mit dickerer Jacke. Möglichst mit Schirm. Weil: Es kann um diese Jahreszeit mal durchaus regnen. Hilft aber alles nichts. Kinder, vor allem die zwischen 2 und 8, lassen sich nunmal sehr ungern festhalten oder unter den Schirm zerren. Vor allem, wenn Entenangelspiele mit zu gewinnenden Plastik-Blockflöten, Schmuck-Sets und Spielzeugschwertern locken. Oder eben der Hubschrauber im Karussell.
Macht ja nichts. Die Hosen sind bis Mitte Unterschenkel mit Pfützenwasser vollgesogen. Die Kapuzen verwuscheln die Frisuren, wenn die nicht ohnehin schon benässt sind. Von Budendächern schwallweise herunterpladderndes Wasser lässt durchweichen. Und wenn man dann noch in einer zugigen Kaffeebude die ganze Bagage um einen Tisch versammelt und die Kinder ihre Fanta- und Sprite-Gläser gerecht unter sich austauschen, dann kommt es schon mal vor, dass man unsanft Mama E. anschubst und ihr ihren Kakao in den Schoß schüttet. Das war eine echte Bedienung, der nur noch der rasche Rückzug vom Schlachtfeld folgen konnte.

"Scheiße, ich hab n Zollstock vergessen!"

Schon jetzt mein Zitat des Tages. Heute gehört in der Linie 4, die vom Bhf Pb zur Uni fährt. Der Bus voll besetzt mit Studis, die mehr oder weniger verschlafen in die Gegend gucken, sich maximal halblaut unterhalten, und dann diese tölpelige junge Dame, die uns ihre morgendlichen Versäumnisse direkt mal vorn Kopf und auf die Ohren knallte. Den Grund lieferte sie, mindestens 24 Dezibel lauter als Motorengeräusche plus Mp3-Player-Geräusche plus Gesprächs-Geräusche zusammen, gleich mit: "Ich muss doch meine Wohnung ausmessen!" Gut zu wissen, Schätzchen.

06 April 2006

Bildungsdebatte auf der Straße

Aufgeschnappt in FFM: "Ey, willstu echt Schule weita machn nach der Neunten?" - Besser ist das, Schätzchen. Sonst läufst du die kommenden 30 Jahre Mittwoch nachmittags in usseligen Jogging-Buxen über die Zeil, kaust tranig auf deinem Kaugummi und guckst dumpf in die Gegend.

Weiterhin gelernt, im Puma-Store (wo es sonst immer heißt "Ey, Murat, die Speedcats in Schwarz in Größe 43!"): "Kann ich diese Schuhe wohl in 43 haben?" (Verkäufer spricht ins Funkgerät, kommuniziert mit dem Lagerarbeiter; heute wohl nicht Murat, und verkündet kurze Zeit später:) "Das sind Frauen-Schuhe. Die gibt's nur bis Größe 41." Tja. Das war auf jeden Fall keine Geschmacksverirrung, sondern einfach nur schlichtes Pech.

Augen auf

Ich meine, ich brauche langsam mal eine Brille. Die auf meiner Nase hat zwar erfreulicherweise mehrfach schon Drauftreten und Draufsetzen, Runterfallen und Entlangschrappen überstanden, aber sie hat auch schon etwa sieben oder acht Jahre auf dem Bügel. Das nächste Modell ist auch bereits ausgemacht. Es hört auf den Namen Sophie, ist rechts abgebildet und stammt vom Hersteller Mykita. "Der Name verdankt sich dem Umstand, dass die beiden Brillenmacher in eine ehemalige Kita an der Wallstraße in Mitte einzogen", schreibt die Berliner Zeitung.

Ansonsten ist Frankfurt immer wieder ein Vergnügen. Vor allem, wenn man weiß, wo der Werksverkauf von Sinn-Uhren ist und dass die da eine Extra-Fußball-Uhr, den Fußball-Chronographen Modell 303 - ausschließlich (kleiner Trick der Marketing-Abteilung) im Fußball-Weltmeisterschaftsjahr 2006 erhältlich - fertigen.
Das wäre was für mich. Dann würden sich nicht am Rande von diversen Fußballplätzen im Ostvest Szenen wie diese abspielen: "Moment, um zwei nach hat der Schiri die zweite Spielhälfte angepfiffen, jetzt ist es 28. Heißt, sie haben 26 Minuten gespielt, plus 45 Minuten erste Hälfte, macht ... 45 plus 26 ... 51 ... 71. Minute! Okay, notiere: Auswechselung Nils Eisen für Daniel Seidel in der 71. Minute. Huch, was, Tor? Oh, Mist, vor lauter Rechnerei das Tor nicht mitgekriegt. Hey, Kollege von der Konkurrenzzeitung, wer war da denn jetzt gerade am Ball? Und wer hat die Vorarbeit gemacht? Und ist der Ball links unten oder rechts oben reingegangen?"
Ansonsten landeten in den Shopping-Tüten: Geschenke für Bruder-Geburtstag (höhö! Jetzt möcht'ste wohl gerne wissen, was, he?!), Vorrats-Tube Make-up, neues T-Shirt in der Lieblingsfarbe der Saison, die der Hersteller Begonie nennt - Knaller-Pink eben. Außerdem noch ein Drunterzieh-Top für die ganzen rosanen T-Shirts. Und jetzt werden die Fenster wieder geschlossen und das Geld drinnen gelassen.
Bis zur nächsten Tankstelle. Oder bis zur nächsten Mautstelle in Frankreich. Noch eine Woche, und schon könnt ihr mich gerne haben mit Debatten über Gasprom-Bürgschaften von Ex-Kanzlern und über falsche/mangelnde/ausbleibende Integration, mit Grau-in-Grau-Landschaften und Körnerbrötchen. Dann gibt's nur noch Baguette, netten Nachbars-Nachwuchs und das Meer in ständiger Reichweite.

Was ist da los, Winter?

Ich möchte bitte heute morgen zum wirklich allerallerallerletzten Mal die Scheiben gekratzt haben. Hey, bitte, es ist der 6. April, da haben wir sonst schon die ersten selbstgesäten Radieschen geerntet. Oder so.
Egal. Gestern, 3 Grad Außentemperatur in Osthessen, nur unwesentlich mehr, nämlich 4 Grad, im Rhein-Main-Gebiet. Aber Traditionen wollen nun mal gepflegt werden, und so wurde im immerhin 27 Grad warmen Wasser des Hausener Freibades die Open-Swim-Saison eröffnet. Okay, es war saukalt, nur im Bikini geschätzte 58 Meter vom Wärmeraum bis zum Becken zu laufen. Aber es hat sich gelohnt. Der Sommer kann/soll kommen.

03 April 2006

Kaminski-Festspiele

Was ein Wochenende. Ich möchte zu diesem Bild (by Frank Wenner, bbv) bitte Sasha zitiert wissen: "We are the same kind in many ways / we share the same desease. We are lunatics and mad about adrenaline. And there is no way of stopping us, we stick to our addiction. But finally, the winner's only one of us." (Good-bye, Sasha, "Open Water", 2006)
So war's. Winner war only der Boris, a.k.a "Dampf in allen Gassen". Der GV bleibt also weiter in der ersten Basketball-Regionalliga. Recht so. Wer das SpoNo gemeinsam mit seinem Inlineskater-Hockey spielenden Bruder (Foto rechts, links) mit 600 Menschen füllt, der hat das verdient.
Und wieder einmal den absoluten Spaß an der Arbeit gehabt. Geboren um Zeitung zu machen. Auch wenn sechs Seiten viel Mühen kosten und einen abends mit brennenden Augen und leicht überdrehtem Verhalten zurücklassen. Auch wenn man zwischendurch vom B-Junioren-Trainer gefragt wird: "Wie fandest du's denn besser, mit langen Haaren?" Öh. Äh. Rausreden war hier nur schlecht möglich. Na ja. Wer 18 Jahre lange Haare hatte, darf sie sich, um das Vertrauen seiner Mannschaft zu erhalten, schon mal abschneiden. Abmachung war nämlich: Wenn die B-Jugend die Tabellenspitze schafft, färbt sich die Mannschaft die Haare grün und weiß und der Trainer schneidet sie ab. Tja. Mist, wenn die Jungs tatsächlich sehr gut Handball spielen.