19 Juli 2008

Ein Beat. Ein Ruhrgebiet.

Die Loveparade in Bildern...











...mmz-mmz-mmz!












So viel nacktes Fleisch...







... und manches will man gar nicht sehen. Vor allem Männer snid manchmal so schmerzfrei, was das Zeigen ihrer Haut angeht... Bitte packt die Plauzen ein.















Coole Floats....


















... und: wo Licht ist, ist auch Schatten.













Die linke Lady und die vierte Person von links hatten nur aufgeschminkte Tops an...













Da war's noch trocken.












Lustige Leute laufen hier rum... hihi!


















Da wird man ja ganz irre.

Live dabei

Jetzt öffnen sie gerade die Tore zum Abschlusskundgebungs-Areal, sehe ich in der Webcam-Übertragung direkt von den Westfalenhallen. Und selbst der schlechte Notebook-Lautsprecher lässt hören: Die machen ganz schön Lärm mit ihren Trillerpfeifen.
Ich komm gleich auch. Aber den Schauer warte ich noch ab.

Noch 0,5 Stunden

Uiuiui! Jetzt geht's lo-hos! Heute morgen um 10 Uhr noch: Mehr Polizeiwagen als Raver auf den Straßen. Immer noch Ungläubigkeit, dass das tatsächlich so viele Leute werden sollen.
Jetzt: Hubschrauber kreisen über der Stadt. Meine Nachbarn fahren ängstlich ihre Autos weg, in sicherere Gefilde. Ich nicht.
Der Markt ist heute ausgedünnt wie von einem Hurrikan erfasst. Nur ein paar Unentwegte bieten Sonnenblumen und Kartoffeln feil.
Die Stadt ist vollgestopft mit Liebes-Jüngern. Überall schrillen Trillerpfeifen, kein Durchkommen .
Der Wall wird gesperrt, zu viele Menschen. Jetzt geht hier wirklich langsam gar nichts mehr.
Außer ich. Ich geh jetzt los, Richtung B1 - Richtung Highway of Love. Moby, Fedde le Grand, Phil Fuldner - ich komme!

18 Juli 2008

Noch 14,5 Stunden

Dortmund vor der Loveparade: Spannung liegt in der Luft.
Die Aral-Tankstelle an der Lindemannstraße kurz vor dem Knick zur B1 hüllt ihre Zapfsäulen in Plastikfolie und Flatterband und stellt die Spritpreis-Anzeigetafel auf 999,9 Euro.
Am Volksbad, wo am Sonntag die Chill-out-Party "Circle of Love" stattfindet, hält ein Transporter mit der Aufschrift "Bey Beer - Beyoglu inside" (Werbeslogan: "Das deutsche Bier mit türkischer Seele") - passend zum Float Nr. 36: "Turkish Delights", Bookingagentur und Label aus Istanbul.
Und um Punkt 21 Uhr hatten die Männer an der Auffahrt zur B1 die Hände an den Pylonen und Warnbarken - fortan ist sie gesperrt. Bis Sonntagmorgen.
Ich glaube nicht, dass die Stadt jemals so voll mit Bier war wie an diesem Wochenende. Kopfschüttelnd die Verkäuferin heute Nachmittag im Taschengeschäft: "Noch einer!" (angesichts eines Bierwagens, der vor ihrem Geschäft angekarrt wurde).
Auch vor den Westfalenhallen hat sich zu dem Dorf aus Toilettenhäuschen (1250 an der Zahl) eine Karawane von Kühl-Lkw gesellt. Sieht aus wie ein Rastplatz an der A7 sonntags kurz vor 22 Uhr...
Überhaupt: Es regnet, und trotzdem sind Menschenmassen unterwegs! Pre-Parade-Tourism...

17 Juli 2008

Eine Hausfrau hat das im Gefühl

Und den Titel für den Mann, der mir an diesem Tag am sympathischsten war, geht heute an - meinen Autohändler!

Zitat: "Das hast du schon ganz richtig gedeutet!"
(Nachdem ich vorgefahren war und meine Vermutung geäußert hatte, dass der Grund für das seltsame Knacken und Rattern unter der Motorhaube, das er bitte mal in Augenschein nehmen möge, sich nicht mehr korrekt schließende Umluft-Lüftungsschlitze sind.)

Ha! Germany's Next Automechanikerin!

Sturmfrei

Super, wenn Eltern im Urlaub sind.

Kann man nämlich heimlich ;-) deren Post filzen.










Und die zwei Strafmandate, die man sich - peinlicherweise auch auch noch am gleichen Tag *schäm* - eingefangen hat, rausfischen, ohne dass sie es merken :-)


Weitere Effekte der Eltern-Abwesenheit: Rausgefunden, dass deren Leergut 8,84 Euro wert ist.

Außerdem: Wenn man ihr Altglas zum Container bringt, sollte man möglichst versuchen, unentdeckt zu bleiben. Beobachter könnten sonst denken, man sei die Tochter von Säufern.

15 Juli 2008

Vereinstümelei

Neulich bei der Mitgliederversammlung einer Ortsgruppe der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Wie alle vier Jahre findet hier heute wieder eine Vorstandswahl statt. Wie aber noch nie in den letzten 20 Jahren - so lange ist der amtierende Vorsitzende im Dienst - soll diese diesmal auf Wunsch zweier Mitglieder geheim stattfinden.
Kein Problem für den Vorsitzenden; er hat sich das schon gedacht, dass diesmal jemand auf geheime Wahl besteht und entsprechende Zettelchen für alle Wahlgänge mitgebracht. Bei seiner Wahl wird also zunächt eine Wahlkommission (drei Leute) gewählt. Die teilt dann je einen Zettel aus. Auf diesen, so erklärt der Vorsitzende, ist nun "ja" oder "nein" zu schreiben; für oder gegen den vorgeschlagenen Kandidaten. Im Falle des Vorsitzende soll der Amtsinhaber, so schlägt die Versammlung vor, wiedergewählt werden.

Die Anwesenden kramen nach Stiften, schreiben "ja" oder "nein" auf ihre Zettel. Dann sammelt die Wahlkommission die Wahlzettel mit Hilfe einer Wahlurne (=Schuhkarton) wieder ein. Die Auszählung beginnt.
Ergebnis: 20 abgegebene Stimmen, davon 20 gültig - es hat also niemand hat aus Versehen eine Micky Maus auf seinen Wahlzettel gemalt -; 18 für und 2 gegen den Amtierenden. Wiederwahl geglückt!

Jetzt sein Stellvertreter.
Einziger Vorschlag: Der stadtbekannte türkischstämmige Bergmann, gleichzeitig der inoffizielle Integrationsbeauftragte, Dolmetscher für sämtliche Hodschas der Stadt und Vermittler der Partnerschaft mit einer türkischen Gemeinde, vermutlich auch Ehrenmordverhinderer und Hürriyet-Abonnent. Man kennt sein sympathisches Lächeln, er begrüßt jeden in der Stadt mit einem freundlichen "Hallo, Landsmann!"
Wieder werden Wahlzettel durch die Wahlkommission ausgeteilt, wieder wird nach Stiften gekramt, "ja" und "nein" aufnotiert, die Zettel werden schließlich eingesammelt, ausgezählt. Ergebnis: 20 abgegebene Stimmen, davon 20 gültig. 8 "ja", 8 "nein", zwei vier Enthaltungen.

Oha.

Der Vorsitzende kramt seine Vereinsrechtsfibel hervor und verliest: "Bei Stimmengleichheit
(Stimmgleichheit? Aber wir haben doch nur einen Kandidaten?) wird ein zweiter Wahlgang mit den beiden Kandidaten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten, durchgeführt. Wird auch hier keine absolute Mehrheit erzielt, entscheidet das Los."
Also, meine Herren...!

"Moment!", meldet sich da einer der Anwesenden zu Wort. "Wir sollen da jetzt irgendeinen wählen - kann der sich nich ma vorstelln?" (Stimmt nicht ganz: Ihr habt da jetzt gerade einen gewählt bzw. nicht gewählt. Ohne eine Vorstellung von dem Mann.)
Klar kann er. Er steht auf, sagt seinen Namen, bereit, mit Familienstand, Lieblingsfarbe, Sockengröße, Automarke, Durchschnittsverdienst, Leibspeise und Kinderzahl fortzufahren, aber:
Jäh wird er ausgebremst: Aufstehen, Namen sagen, wieder hinsetzen - das muss reichen als Vorstellung.

Dann weiter: Wahlzettel, "ja" oder "nein", einsammeln, auszählen. (Mittlerweile hat ein türkischstämmiges Mitglied den Raum verlassen; Annahme: musste zum Freitagsgebet.) Ergebnis: 12 "ja", 6 "nein", 1 Enthaltung.
Der damit gewählte Stellvertreter wischt sich leise den Schweiß von der Stirn.

Neben mir erzählt einer, der das ganze Wahlprocedere immer wieder stumm mit Kopfschütteln kommentiert hat, während einer neuerlichen Wahlzettelausteilphase von seinem Urlaub neulich in Polen. "Und, hasse dein Auto noch?", fragt ihn einer und lacht sich annähernd scheckig.
Ach ja. Stimmt ja. Alle Polen klauen Autos.
Und wählen tun wir nur den, der sich uns wenigstens mal anständig vorgestellt hat. Frei nach dem Motto: "Sach erstmal anständig 'Grüß' Gott'!"

05 Juli 2008

Im Volksbad

Im Sommer ist es im Freibad am schönsten. Punktum.
Es ist warm, es ist Wasser und es ist Sonne.
Und: Es sind Leute um einen herum. Machste nichts dran. Im Folgenden sei eine Konversation zwischen zwei Mit-Freibad-Besuchern wiedergegeben.

(A und B sind beide Ende 30/Anfang 40, beide fitnessstudiogestählt und sonnengebräunt.)
A: Hast gehört, C hat jetzt mit seiner Freundin Schluss.
B: Mit welcher?
A und B lachen.
B: Ist doch wahr, der hat doch 100 pro Jahr. Der ändert seine Meinung über Frauen doch täglich.
A: Stimmt. Obwohl. Früher war ich auch so. Da hab ich manchmal minütlich meine Meinung über Frauen geändert.
A und B lachen.
A: Ich weiß noch, da war ich mal mit einer in Bergen aan Zee, in Holland, weißte?! Kamen wir zurück und ich bring die gerade nach Hause, da ruft mich ne andere an, die hatte ich in der Disco die Woche vorher kennen gelernt. Hab ich aber abgewürgt. Und da bin ich gerade zu Hause, da ruft die, mit der ich in Holland war, an und sagt, 'nee, war doch nicht so wie ich mir das vorgestellt habe und so'. Jau, ich aufgelegt, und direkt wieder die ausser Disco angerufen.
A und B lachen.
B: Jo, dat kenn ich. Ich war dammals mitte Frauen immer auf Formentera. Bestimmt mit fünf verschiedene war ich da.
A und B lachen.
A legt sich hin und sonnt sich. B nimmt eine Zeitschrift und liest.
B: Sag mal, kennst du das Wort 'rigide'? Kommt hier gerade in einem Artikel vor. Was bedeutet das noch mal?
A: Rigide... Ja, kenn ich, äh... aber was das bedeutet... Mmh. Ich weiß das eigentlich aber.
B: Ja, ich hab das auch schon mal gelesen. Aber mir fällt das auch jetzt gerade nicht ein...
A und B schweigen.
B: Kerl, dat ärgert mich jetzt, dass ich das nicht weiß.
Ich lache. Still. In mich hinein. Weil: Ich weiß, was 'rigide' bedeutet. Allgemeinbildung, oder?

16 Juni 2008

Nicht wahr, oder?

Folgende Meldung flatterte neulich ins Redaktions-E-Mail-Postfach:
"Während der Fußball-EM müssen viele Damen tagein, tagaus Bierkästen in die Wohnung schleppen, damit der Gatte oder Lebensgefährte ungestört das Fußball-Turnier in der Schweiz und in Österreich verfolgen kann... (Wie bitte? Wer macht denn so was??)
Die Füsse schmerzen, der Kopf brummt. Und nun?
Zuerst zur Asia Wellness ins Reisebüro xyz. Da gibt es während der EM für Damen die asiatische Fußmassage für 25 Euro. Und dann ab ins Kino. Denn da läuft 'Sex and the City'. Da geht es um wirkliche Problem wie 'Heiratet er mich endlich?' und 'Wo gibt es die schöneren Schuhe?'."

Kein Witz!! Eins zu eins übernommen.

10 Juni 2008

Unter Druck?

Ich hatte mich schon gewundert, dass meine Tageszeitung neuerdings den Abschluss von Abonnements per Hausbesuch erledigt. Um 19 Uhr hatte ich einen Termin. Um 19.30 Uhr kriege ich, mittlerweile kurz mit dem Rad um die Ecke gefahren, um noch was zu erledigen, einen Anruf. Der Mann am anderen Ende erklärt mir, wir wären doch verabredet?! "Ja, aber um 19 Uhr." "Ja, hier kann man ja auch sehr schlecht parken", sagt der Mann im komischen braunen Jacket und deutet auf einen Rhein-Ruhr-Atlas unter seinem Arm. "Ich musste mich (anklagender Unterton) richtig hierher durchsuchen, ich komm' aus Unna!"
Wir gehen hoch und ich frage ihn noch im Treppenhaus, seit wann so ein Aufwand (Hausbesuch!) um ein Abonnement gemacht wird? Und er erzählt irgendwas von Vorschriften, die sowieso im nächsten Jahr verschärft würden und dann wären solche Geschäfte eh nicht mehr am Telefon möglich. Aha, sage ich, das würde dann ja den kompletten Internethandel doch auch verbieten?! Daraufhin verwickelt er sich ein wenig in seine Argumentation.
Ich schaue mir den Mann etwas genauer an. Schweißglänzendes Gesicht - okay, ist ja auch ein heißer Tag. Aber ein Eiterpickel im Mundwinkel ist und bleibt eklig. Und dass er stinkt abgestanden riecht, merke ich spätestens, als wir die Wohnung betreten.
Er sieht die Türkeiflagge, die ich anlässlich der EM im Flur aufgehängt habe, und sagt mit deutlichem Naserümpfen in der Stimme: "So so, eine Türkei-Fahne?"
Ich: "Ja, wir wohnen doch im Ruhrgebiet!"
Er: "Noch lange kein Grund, eine Türkei-Fahne aufzuhängen."
Ich: "Oh, ich habe auch noch eine kroatische und eine tschechische!"

Wir sitzen, er schnupft sich mit einem sich gerade in seine Bestandteile auflösenden Taschentuch die Nase. Iiih. Ich rücke unmerklich ab. Er legt einen abgewetzten, handgeschriebenen Zettel (kein Logo meiner Tageszeitung? Keine offiziellen Kundennummern u.ä.? Seltsam...) auf den Tisch. Dann fängt er an zu reden. Blabla, bei Abschluss eines Zwei-Jahres-Abos 125 gibt's Euro, aber nicht als Prämie, sondern Dreingabe, wird dann im August überwiesen, und zwar nacheinander einmal 50 und einmal 75 Euro.
Ich stutze. "Warum in zwei Teilbeträgen?"
"Das hat wettbewerbsrechtliche Gründe."
"Das verstehe ich nicht. Erklären Sie mir das doch mal genauer."
Er (gereizter Unterton): "Stellen Sie mir halt eine konkrete Frage!"
Ich: "Was genau schreibt das Wettbewerbrecht vor, dass man nicht 125 Euro auf einmal, sondern in zwei Teilbeträgen überweisen darf?"
Er redet sich um Kopf und Kragen, hetzt zwischendurch noch mal gegen die Konkurrenz: "Die machen das, wir nicht!", endet mit den Worten "...und ich hoffe, dass dieses Abo-Angebot Ende Juni, Anfang Juli beendet sein wird."
Ich: "Hä? Warum?"
Er: "Haben Sie schon mal 14 bis 16 Stunden am Stück gearbeitet?"
Ich verkneife mir die Antwort ("Ja.") und frage noch mal was.
Er wird patzig und sagt anschuldigend: "Sie können mich auch einfach wegschicken. Auch gut - hab' ich Feierabend."
Ich: "Ja, so machen wir's."
Er: "Heißt das, Sie haben mich jetzt extra antanzen lassen, um mir das zu sagen?"
Ich Gesichtsausdruck milde Nachsicht aufsetzend denke nur: Nein, deine Firma hat dich geschickt, du bedauernswertes Geschöpf, und will mir irgendeinen halbseidenen Vertrag aufhalsen.
Arme Sau.
Aber: Das hätte ich nicht gedacht von einer seriösen Tageszeitung.

note to myself: Morgen mal im Kundencenter der Zeitung vorbeischauen.

09 Juni 2008

Noch so einer...

Heute im Gespräch mit dem herrischsten, wichtigtuerischsten und feuchtestsprechenden Vereinsvorsitzenden der Stadt. Er erklärt mir was über Gedenkmünzen (und leitet das Gespräch übrigens ein mit der Bemerkung: "So, dann wollen wir mal wieder was schreiben...!" Nee, Herr M., ich bin diejenige, die schreibt. Sie quatschen mir nur das Hirn kopfschmerzig.) Es gebe demnächst eine mit Kafka-Prägung. Zum 125. Geburtstag. Und er betont, wie viel man doch beim Münz-Sammeln lernen könne. "Hier, sehen Sie, das sind die Zusatzinformationen zu der Münze." (Zeigt mir eine Münzsammler-Zeitschrift, Überschrift "Kafkaeske Werke") "Steht viel Interessantes drin. Der hieß ja gar nicht Kafka. So wird der nur hier genannt. Wo der herkommt, heißt der ja Kafkaeske!"
Ah ja.

05 Juni 2008

So ist Kleinstadt...

Kommt eine örtliche Partei-, (ehemalige) Bergbau- und Vereins-Größe in die Redaktion. Unser freier Mitarbeiter - in Deutschland geboren, mit pakistanischem Migrationshintergrund und zum Anbeißen aussehend - sitzt im Büro des Chefs und schreibt an einem Artikel. Sagt der Partei-Senior: "Und wer bist du? Bist du n Türke?" Sagt der freie Mitarbeiter (nach kurzem Stutzen): "Öh, nein, mein Vater stammt aus Pakistan...", wobei ihn der Funktionär unterbricht: "Und, was sagst du zu eurem Präsidenten?" - und zeigt auf ein Bild des Dalai Lama in der Zeitung...

25 Mai 2008

Ignorant

Im Radio gehört: die Nachricht vom Ausgang des Eurovision Song Contest. Sagt der Moderator: "Gewonnen hat Russland. Vor vielen Ländern, deren Namen man eigentlich nur bei dieser Veranstaltung hört."
Geht's noch? Ignorant!

Übrigens: Die "vielen Länder, deren Namen man eigentlich nur bei dieser Veranstaltung hört", sind (Platz zwei bis zehn) die Ukraine, Griechenland, Armenien, Norwegen, Serbien, die Türkei, Aserbaidschan und Bosnien-Herzegowina.

21 Mai 2008

Taubenpoetik...

...wie sie nur im Ruhrpott gedeihen kann, wo das Rennpferd des kleinen Mannes oben auffem Dachboden sein Zuhause hat: "Bei leichtem Kopfwind auf der 326 Kilometer langen Flugstrecke flogen die Spitzentauben vier Stunden und 34 Minuten bis zu ihren Heimatschlägen. Die erste davon huschte um 14.39 Uhr bei den Sportfreunden xyz über die Schlagantenne."

(aus dem Bericht der örtlichen Taubenzüchter über den letzten Flug ab Höchstadt)

12 Mai 2008

Pfingsten, die Zweite

Dem ist nur noch hinzuzufügen: Wer hätte gedacht, dass es im Ruhrgebiet so schön ist? Speziell auf dem Emscher-Park-Radweg, speziell im Dortmunder Norden.
35 Kilometer mit dem Rad und so eine Fülle von sights: Die alte Kolonie Eving, der Luftschacht und die Zeche Minister Stein, Rapsfelder, Kanalschotterwege, Grüngebiete, die Zeche Gneisenau und die Müsersiedlung. Man sollte öfter mal auf diesem Radweg unterwegs sein...

11 Mai 2008

Vischer, Vischer, wie tief ist das Wasser?

Pfingstausflug nach Lüdinghausen zur Burg Vischering und zur Burg Lüdinghausen.
Wer hätte gedacht, dass das Münsterland so schön ist?

07 Mai 2008

Still und starr ruht...

Es ist Sommer in Deutschland. Endlich. Und: Freibad-Zeit!
Also ab ins örtliche Bad. Eine Weile auf den Steinen gesessen und den Halbwüchsigen zugehört: "Ey Alder! Scheiße ist das kalt, Alder!" Quiekende Mädels sprangen ins Wasser. Erst noch leicht hochmütig "tse!" gedacht. Dann: Ein älterer Mann entert das Nass. Brummelt "Sibirien!" vor sich hin und: "...brauchste ja n Eisbrecher!"
Dann ich. Brrr. Bibber. Atem stockt. Chlorbrille beschlägt von innen, friert auch. Nach den ersten fünf Zügen ans Aufgeben gedacht. Allein: Der Schwimmerstolz verbot es mir. Also durchhalten, weiterschwimmen. Kein Wunder, dass kein Bademeister am Beckenrand steht - schwimmt ja eh keiner. Außer mir. Bewegungen werden erst schneller. Dann langsamer, steifer. Blaue Zehen. Aber ich bin um eine Erfahrung reicher. Ich weiß jetzt, wie sich Kate Winslet und Leonardo di Caprio bei den "Titanic"-Dreharbeiten gefühlt haben. Von meinen Augenbrauen wachsen gefühlte Eiszapfen.
In einer Mischung aus Wut (auf den Badbetreiber, der vom Heiz-Geiz getrieben ist) und Trotz ("Mich vertreibt ihr nicht aus diesem Bad, und sei das Wasser noch so eisig!") schwimme ich meine 30 Bahnen bis zum bitterkalten Ende. "Ich tue es für die Kinder von Herr Özcan", rede ich mir unter Wasser ein. Denn die Sprösslinge vom Badbetreiber kriegen bestimmt nichts zu Weihnachten, wenn der Papa das Wasser wärmer macht. Außerdem geht es ja gleich unter die Dusche...
Dusche? Denkste! Es gibt drei Duschen für Frauen. Eine - hat keinen Knopf mehr. Die zweite - schüttet nur kaltes Wasser aus. Die dritte - ie Kinder Weil: Es lockt ja die Duschat so heißes Wasser, dass sogar ich mit meiner Spülhändehaut es nicht drunter aushalte. Kruzitürken! (<-- Solche stehen unter der Männerdusche und brüllen sich unvermindert "Ey Alder!" und "Du Bastard!" zu.)
Heute Nacht werde ich von Neoprenanzügen und Heizdecken träumen.

05 Mai 2008

Reisen bildet


Wenn man so überlegt, was man so ganz nebenbei auf- und wahrnimmt, abspeichert, liest, behält, beobachtet, wenn man auf Reisen ist... Kein Wunder, dass man abends schlagkaputt (pragkaputt?) ins Bett fällt.
Nur mal so ein Ausschnitt:
Hamburg liegt nicht an der Moldau. Müsste es aber eigentlich.
Sonntags gehen auf der Moldau-Insel Slovanský ostrov Familien spazieren, unter der Woche die Verliebten.
Das Bier heißt Staropramen.
Alkoholgehalt wird in Grad, nicht in Promille gemessen.
Im Supermarkt im "Flora Palác" ist gegen Abend an den Kassen worst time, sprich Schlange stehen.
Příští stanice heißt "nächster Halt". Allerdings nur in der Metro. In der Tram heißt das příští zastávka.

Wenn man zum Flughafen will, muss man die grüne A-Metro-Linie bis Dejvicka fahren.
Prager Kellner nehmen an einem inoffiziellen Wettbewerb teil. Ziel: Wer nimmt dem Gast am schnellsten den Teller weg, sobald dieser aufgegessen hat (aufgegessen zu haben scheint)?
Nur 30 Prozent der Tschechen sind katholisch oder evangelisch. Deswegen putzen sie gerne sonntags den Flur, bringen fleißig Müll runter, bauen Fassaden.
Einer der größten Maler Tschechiens ist Josef Manes (19. Jahrhundert). Sein Denkmal steht links vom Rudolfinum.
100 tschechische Kronen sind 4 Euro. Spülmaschinenreiniger ist unverhältnismäßig teuer.
Dik heißt danke. Ahoj heißt tschüss.
Das Metronom im Letna-Park sieht von allen Stellen der Stadt besser aus als direkt vor Ort.
Der Hradschin ist nicht gleich die Prager Burg und Malá Strana, die Kleinseite, ist auch noch was anderes.
Franz Kafka ist tausendmal umgezogen in Prag. Deswegen haben die Kafka-Themenstadtführungs-Leute ein feines Leben.
Wenzel heißen sie hier alle. Und aus dem Fenster stürzen sie sich auch. Willkommen im Frühling. "The elevator is really slow."
Jan Hus war der, der 100 Jahre vor Luther schon dessen Gedankengut verbreitete.
Absinth knallt ganz schön. Beware of the grüne Fee.

Ach ja, und: Prag ist schön.

02 Mai 2008

Prager Frühling

Es gibt Städte, die mag man sofort. Prag zum Beispiel. Es wimmelt vor Touristen (wir sind natürlich keine!), aber dennoch...
Die Interims-Wohnung glänzt durch sofort funktionierenden Internetanschluss, deutsches Satelliten-Fernsehen, einen Balkon zum wunderbar ruhigen, grünen Innenhof - und das, obwohl die Wohnung total zentral liegt - mit einem nicht unwichtigen Detail: einer Outdoor-Steckdose. So kann man nämlich prima in der Sonne sitzen, das Laptop auf den Knien, und bloggen. Ja, das ist auszuhalten. Abgesehen davon: eine Spülmaschine inklusive Tabs, eine Salatschleuder, einen Flasche Becherovka und eine mit drei (!) Sicherheitsbolzen verschließbare Wohnungstür gibt es auch. Und als wir einmal raushatten, dass das, was an der Haustür aussah wie der Rest eines festgeklebten Kaugummis, der Sender für den Eingangs-Chip war, konnten wir den Hochsicherheitstrakt Přemyslovská No. 34 auch betreten...
Sehr bequem auch: Das direkt um die Ecke befindliche und - Kundenfreundlichkeit olé - bis 22 Uhr geöffnete Einkaufszentrum (Aldi heißt hier Albert, vgl. "Feinkost Albrecht"?!) mit Shops, Kaffeebuden, dm (!) und IMAX-Kino.

30 April 2008

Grusel

Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Heute nach Jahren (Jahrzehnten?) wieder "Aktenzeichen XY" geguckt. Schlechte Schauspieler stellen die Verbrechen nach, dramaturgisch gezielt wird Schauer-Musik eingesetzt, düstere Farben prägen das Bild, der Moderator macht eine dauerbesorgte Miene.

Und was geschieht? Ich grusele mich. Bibber.

Reaktion: Alle Lichter und Lampen in der Wohnung auf Festbeleuchtung. Das müssen meine Stromrechnung und der Klimawandel verkraften können...

Ge- und Missbrauch

Wörter und Sprache sind mein Beruf. Deswegen werde ich hellhörig, wo immer darüber gesprochen oder geschrieben wird.
So wie heute auf WDR5. In der Sendung "Scala". Da ging es im Zusammenhang mit dem Inzest-Fall in Österreich um die richtige Wortwahl. Und die Autorin hat Recht, wenn sie darauf pocht, dass "(sexueller) Missbrauch" in dem Zusammenhang fehl am Platz ist. Weil ge-brauchen drin steckt. Die Autorin findet, "dass sich das Wort vom 'Missbrauch' eines Menschen verbietet. Es würde ja heißen, dass ein Mensch, eine Frau in Maßen ge-braucht werden kann." Menschen kann man aber nicht ge-brauchen. Fast ebensowenig geht "misshandeln", aus gleicher Argumentation heraus. Am Schluss des Kommentars wird vorgeschlagen, statt dessen von einem "sexuellen Verbrechen" zu sprechen. "Er hat sie versklavt. So muss das auch gesagt werden."
- Ende des Beitrags. Ich nicke zufrieden und denke: "Ja! Stimmt." -

Und während ich das noch so denke, tönt lustiges Vogelgezwitscher aus dem Radio und eine heitere Stimme setzt die Hörer davon in Kenntnis, dass bald die wunderbare Gartentour 2008 des Senders starte, mit heititei-praktischen Gartentipps und jupdidu-grünen Tricks für Hobbygärtner, *säusel, tirilier, plauder*.

Das, liebe Leute, war aber dann auch die falsche Wort- und Anschluss-Text-Wahl. Ein dezentes Musikstück, wie sie sonst in diesem Programm auch durchaus üblich sind, hätte hier definitiv besser gepasst.

27 April 2008

Völkerverständigung II

Schöne, neue, vernetzte Welt ist, wenn man beim Bruder vorbeifährt und dort der per Skype und Webcam anwesenden Freundin in Kroatien "hallo" sagt und ihr erzählt, dass man jetzt aufbricht, um zum Kitchen Club (crossover-Küche-location!) zu fahren und dort die Platten der Farewellparty-Vorspeisen zurückbringt. "Ah! Grüß' mal!", sagt sie.
Im Kitchen Club ankommen erklärt man dem Vorspeisen-Lieferanten, dass seine leckeren Häppchen das Highlight der Abschieds-Party waren und antwortet auf eine entsprechende Frage, dass der verabschiedete Bruder zwei (2!!) Jahre nach Prag geht. "Oh, wie schade!", ruft da mit ehrlichem Bedauern die kroatischstämmige Inhaberin des Kitchen Club. "Grüßen Sie mal!" "Mach' ich. Ich soll auch grüßen. Auch von seiner Freundin aus Ihrem Heimatland. Die war gerade in der Webcam, als ich bei meinem Bruder war."

Schöne, neue, vernetzte Welt - sag' ich doch.

Völkerverständigung I

Kroatische Kekse (oben 2., 5., 7., 8. von links und unten 2., 5., 7. von links) vertragen sich übrigens gut mit französischen (oben 3., 5., 6., 8. von rechts und unten 1., 3., 5., 6., 8. von rechts).
(vgl. auch hier)

19 April 2008

Kevin Köhler Musical Superstar!


Kevin! Du bist es!
Du bist Musical Showstar 2008!
Wir haben es ja gewusst, schon damals, bei der Mini-Playback-Show beim SV Neptun...
Und ich kenn jetzt deine Mama, deinen Papa, deine Stiefmutter, deinen Stiefvater, deine Oma Ilse, den anderen Kevin, deine Schulkollegen von der Stage School, deine Schwimmvereins-Leute. Und nicht zuletzt den obersuperigen Rolando Villazón. Und den Rollschuh-Coach vom Starlight Express. Schön, so ein bisschen Sternenglanztheaterrummelshowbusiness...!
(Und dann singt er auch noch das schönste Musicallied überhaupt - "Your song" aus dem sagenhaften "Moulin Rouge"-Film. Hast Recht, Kevin, das ist wirklich noch ne Spur emotionaler als der Halbfinal-"Joseph"-Song! Huh!)
"Wenn es nach mir ginge, wirst du das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren nicht verlassen."

edit: Fast noch ein bisschen schöner ist, nach Hause zu kommen, die Aufzeichnung der Sendung noch mal zu gucken und dabei simultan die Fotos auf dem Rechner laufen zu lassen.

13 April 2008

Kein Konkurrenz-Bashing

Nein, ich will mich nicht über die Kollegen lustig machen. Trotzdem hier ein Auszug aus einem Interview mit dem Recklinghäuser "Deutschland sucht den Superstar"-Kandidaten:
Frage: Wie sieht ein Tag bei DSDS aus?
Thomas Godoj: Wir arbeiten mit dem Gesangs-Couch und dem Coreographen.

05 April 2008

Gesucht? Gefunden?

Deutschland sucht den Superstar, und Thomas Godoj aus Suderwich schickt sich an, es zu werden (heute Abend singt er allerdings etwas schief bei Take Thats "Rule the World", stelle ich gerade fest. Dieter, a.k.a. Poptitan *lachschlapp* findet aber wieder mal, er habe "Gold aus dem Song gemacht".). Aber wir, in Oer-Erkenschwick, wir haben vielleicht bald den ersten öffentlich-rechtlich-seriösen Musical-Star gefunden: Kevin Köhler nämlich, und ich hab heute mit ihm gesprochen, ätsch! (Netter Junge, by the way. Ja, ich kann das gut leiden, wenn sich jemand mit vollem Namen meldet und ich kann auch gut leiden, wenn jemand bescheiden und realistisch seine Chancen einschätzt und nicht auf dicke Hose macht.)
Und das Beste ist: Ich hab' schon 1996 (!) über seinen ersten Auftritt - und Sieg - als Zehnjähriger bei der Mini-Playback-Show des SV Neptun über ihn geschrieben (s. Scan), hihi!

01 April 2008

27. März 2008

Ich wünsch' mir, dass es hinter der Grenze auch Internet gibt.

29 März 2008

Aus der Reihe: *kicher*

"Jetzt sind die Sahnestücke weg, jetzt gibt's Sandkuchen!"

(Owe, Bruder der 36-jährigen, zu verkuppelnden Ilka, in der ARD-Show "Ich weiß, wer gut für dich ist")

26 März 2008

Fest-Noz

Die Bretonen sind ein erstaunliches Völkchen. Sie halten ihre Kultur stolz hoch, bestehen auf zweisprachige Orts- und Straßenschilder und spucken am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, verächtlich auf den Boden - denn sie sind Bretonen, keine Franzosen.
Eines der erstaunlichsten Gewohnheiten dieses Volkes durfte ich jetzt miterleben: ein Fest-Noz.

Ort des Geschehens: eine schmucklose Mehrzweckhalle in Prat (bret.: Prad), eine durchschnittliche Gemeinde auf dem Lande bei Lannion. Veranstalter: Die Diwan-Schule Guingamp (bret.: Gwengamp).
Es ist 21 Uhr. Ein paar Kinder flitzen über den Parkettboden, nach und nach füllt sich der Raum mit Menschen. Mit Hochschulprofessoren und Meerestierverkäufern, mit Dreijährigen und Jahrgang-1920-ern. Was sie eint: Sie tragen flache Schuhe. Und bald sollte ich erfahren, wieso.
Kaum greifen die ersten beiden Künstler (LeGac/Brunet) zu ihren Instrumenten - einer Laute und einer Querflöte -, strömen die Menschen auf die Tanzfläche. Ich auch. Ich habe null Ahnung von bretonischen Tänzen, aber Bangemachen gilt nicht und ein Entrinnen gibt's nicht. Also hinein in die Masse der sich zum Kreis formierenden Tänzer. "Woher weiß ich denn, was ich jetzt tanzen muss?", frage ich meine Begleitung, unsere Nachbarn (die zwar auch keine Ur-Bretonen sind, wohl aber Mitglied des örtlichen Vereins zur Pflege der bretonischen Kultur). Das höre man entweder an der Melodie (ich nicht), und die Band sage das auch an (was ich nicht verstehe). Ist auch egal. Wir haken uns unter - der linke Arm greift unter den rechten des rechten Nebenmannes und ergreift dessen Hand - und ab dafür. "Un, deux, trois-et-quatt', cinq, six, sept, huit" - diesem Rhythmus folgend setzt man Fuß neben Fuß. Ich bin schon schwitzig, als diese Stück vorüber ist. Und das war noch die einfachste Nummer.
Denn es kommt noch besser. Bei Tänzen, bei denen man sich mit dem kleinen Finger (!) beim Nachbarn einhakt (bitte, liebe Bretonen, warum ausgerechnet mit dem kleinsten und schwächsten aller Finger? Aua! Sehnescheidenentzündungsalarm!) und dann, während man mit den Füßen daherhoppelt (und durchaus nach schwierigeren Mustern als "un, deux, trois-et-quatt'..."!) auch noch mit den Armen eine Klein-Choreografie ausführt. (Und ich bin immer noch nicht multitaskingfähig! Ich kann nicht mit den Armen was anderes machen als mit den Beinen!)
Der Raum hat sich mittlerweile vollends gefüllt mit etwa 400 Leuten. Beim Tanzen bilden sich mittlerweile mehrere Kreise, die sich schlangenhaft durch den ganzen Saal bewegen, teilweise Rücken an Rücken, so eng ist es, um die Kurve und wieder quer durch. Ich komme, wenn ich mal zwischen zwei Hochkonzentrationsphasen über "un, deux, trois-et-quatt', Hacke, Spitze, hoch das Bein" Gelegenheit habe, aus dem Staunen nicht raus. Hier scheint das, wie es bei vergleichbaren Veranstaltungen in Deutschland wäre, nicht für einen Penny interessant, am Rande zu stehen, Bier oder Cidre oder was auch immer zu trinken und zu gucken oder so. Nein, hier wird getanzt. Nonstop. Ob zur Musik des Duos Le Gac/Brunet, von Darhaou, vom Hauptact des Abends Loened Fall - übrigens eine der bekanntesten Fest-Noz-Kapellen des Landes, wie ich später lese - oder von den A-capella-Gruppen Enora & Ivona oder Kanfarted Magor - vier jeunes, die mit kräftiger, mutiger Stimme den ganzen Saal beschallen und bretonisch singen. Die Leute tanzten. Über Stunden. Hier hat sich auch keiner massiv aufgebrezelt, wie man das bei Festivitäten erwarten könnte. Nein, das zählt hier nicht. Hier zählt das Tanzen.
Irgendwann verabschiede ich mich von dem Streben, alle Schritte richtig zu machen und versuche nur noch, halbwegs im Takt zu hoppeln und zu stampfen und zu schwingen und lasse mich vom Flow der Tanz-Masse treiben. Da klappt es besser und ich fühle mich nicht mehr ganz so oft bemüßigt, meine Nebentänzer mit einem entschuldigenden Blick anzusehen und "Excusez-moi" und "pardon!" zu murmeln.

Das war nicht mein letztes Fest-Noz. Und beim nächsten Mal trage ich auch flache Schuhe.

Aus der Reihe: So ist Dortmund

Heute an der Supermarktkasse. Hinter mir ist eine wohl türkischstämmige Mutter mit ihrer Tochter dran. Die Tochter muss niesen. Sagt die Kassiererin: "Çok yaşa [tschok jascha] - so ähnlich sagt man doch auf Türkisch für 'Gesundheit', oder?!" Sowohl das Mädchen als auch die Mutter waren an der Stelle zu verdattert, um so etwas wie "danke" herauszubekommen.

This is not a Bücherregal

Einer der vielen tausend Gründe dafür, nach Frankreich zu reisen und dabei sogar durch das verhasste Land zu fahren, ist, dass es wohl in keinem anderen Land der Welt eine so große Vielfalt von Erdbeerkeksen gibt. Man muss sie einfach kaufen!

23 März 2008

Aus der Reihe: Die letzten Abenteuer des Alltags

Lange hatte ich mit mir gerungen und hin- und hergehadert, ob ich über Ostern doch noch wegfahren sollte. Donnerstag voraussichtlich um 17 Uhr Dienstschluss, Dienstag um 10 Uhr nächster Dienstbeginn... Das war ganz schön viel Zeit. Als dann auch noch der Dienstag mein freier Tag wurde, hatte ich nur noch wenige Contra-Argumente. Außer: Das Auto zickt ein wenig - das entkräftete die Werkstatt, die ihn reparierte. Die Strecke ist so weit - na ja. Schon -zig mal gefahren, diese weite Strecke... Mein Bruder hat seine Freundin zu Besuch, und ich würde beide gern sehen - "Eigentlich, liebe Schwester, bist du schon in der Bretagne ;-)", sagt er dazu. Aber ich hab' der Oma versprochen, dass ich dieses Jahr Ostern zum Sauerbraten-Essen da bin. "Wie, du hier und nicht im Osterurlaub?", empfängt mich die Oma, als ich bei ihr vorbeischaue.
Okay. Gründonnerstag, 17 Uhr, ab auf die Bahn. Ungefähr 14 verschiedene Autobahnen benutzt, bis das erste Mal Aachen ausgeschildert ist. Denn erst ab Aachen weiß ich den Weg. 1050 lustige, kurzweilige Kilometer bis Beg Leguer.
Dann erst wurde es spannend.
Es ist 3.15 Uhr. Nachts. Still ruht das Dorf, nur Wind und Meer brausen. Ich fahre vor lauter Freude, dass ich angekommen bin, hupend auf den Hof. Still ruht das Haus. Ich klingele. Sturm. Keine Regung. Ich klingele noch ein paar Minuten, stürmischer. Nichts. Ich zücke mein Mobiltelefon, wähle die Festnetznummer im Ferienhaus. Es bimmelt laut, das höre ich vor der Haustür. Die, die es hören sollen, hören es nicht. Mutters Handy angerufen. "The person you have called is temporarily..." Mmh. Ums Haus gegangen. Steinchen ans Schlafzimmerfenster geworfen. Noch immer keine Reaktion. Was nun? Ob ich doch Plan B einschalten muss und im sicherheitshalber für genau diesen Fall mitgenommenen Schlafsack im Auto übernachten? Oder... Es gibt noch eine letzte Chance! Vielleicht ist aus Versehen und zu meinem Glück eine von drei Terrassen-Türen nicht abgeschlossen? Tatsache! Nur hinein! Hoch die Treppe, schön laut, damit sie jetzt aber wirklich wach werden. Tür auf vom Schlafzimmer, aber lieber kein Licht anmachen, damit sie sich nicht erschrecken. - - -
Falsch gedacht. Sie erschreckten. "Wer ist da?" schallt es mir mit drohendem Tonfall entgegen, und der Rufer aus der Nacht hält in diesem Moment schon die Nachtischlampe in der Hand, bereit, sie dem "Einbrecher" sofort über den Kopf zu ziehen. Ich stürze mich aufs Bett, in die Arme der Mama, die sich schon jetzt kaputtlacht, weil sie Sekundenbruchteile vor ihrem heldenhaften Mann geschaltet hatte, wer sich da näherte. Es gab noch ein nächtliches Teechen und dann ab ins Bett, störungsfrei weiterschlafen...

Ja, das sind sie, die letzten Abenteuer des Alltags.


(Illustration aus: Bastian Sick, "Zu wahr, um schön zu sein. Verdrehte Sprichwörter."

22 März 2008

Das Leben unterwegs

"Es geht mir auf'n Keks, das Leben unterwegs" singt Herbert Grönemeyer in seinem Lied "Unterwegs". Oh nein, Hörbie, du irrst! Man kann durchaus 1050 Kilometer unterwegs mit dem Auto in die Bretagne sein und sich die Zeit am Steuer höchst abwechslungsreich gestalten!
In Belgien ist man - wie ich schon ein-, zweimal bemerkt habe - ohnehin gut damit beschäftigt, sich über den Zustand der Autobahn aufzuregen. Diesmal neu: Eine Pylone mitten auf der Bahn. Und: Hey, ihr Belgier, wenn ihr schon euer Geld für die nächtliche Autobahnbeleuchtung (in Rot!) ausgebt, dann schaltet sie bitte auch ein, wenn es dunkel wird, ja? Sonst sieht man nämlich noch schlechter die Schlaglöcher und Stolperwellen. Und: Wenn ich groß bin und ganz viel Geld verdiene, spendiere ich euch einen großen Topf Farbe. Damit könnt ihr dann eure Fahrbahnmarkierungen erneuern. Die sind nämlich ohnehin blass. Aber wenn es dunkel wird, werden sie noch blasser. Und wenn es regnet, sieht man sie nicht mehr. - Man braucht dann seine ganze Konzentration und fliegt am besten im Blindflug dem vor einem Fahrenden hinterher, in der Hoffnung, dass der eine gerade Linie einhält.
Man kann zum Beispiel auch, wenn es Nacht wird und man dann in Frankreich ist, die Abstände zwischen den Autos, die man überholt oder von denen man überholt wird, zählen - 68 Kilometer war bei mir der Höchststand.
Oder man lernt die Jingles der französischen Radio-Stationen auswendig: "Froooongs Blö, Frongs Blöööö! (France Bleu) oder "Nos-tall-schiiiiiie!" (Nostalgie) oder "Ärrr-Efff-ämmmmm!" (RFM).
Abwechslung bieten auch die strammen Jungs von den Douaniers. Die können einen dann durchaus 20 Kilometer vor Caen mal die Kelle hochhalten, wenn man gerade durch den gare de péage gefahren ist und die Autobahnmaut beglichen hat, mal anhalten und fragen: "Vous arrive d'Allemagne?" "Äh, oui!" "D'où en Allemagne?" "Öhm, près de Dortmund, vous connais Dortmund?" Ja, und wo ich hinfahren würde? Nach Lannion, en Bretagne. Todesmutig fügte ich noch eine Zusatzinformation für den mittlerweile freundlich-ungläubig ("Ist die bekloppt? Fährt ganz allein von Deutschland bis in die Bretagne? Nachts??") guckenden Douanier hinzu: "Je visite mes parents!" "Ils habitent là?" "Non. Ils ont une maison de vacances en Bretagne!" - Da hatte er genug gehört und entließ mich nach einem abschließenden Kontrollblick auf die Rücksitzbank.
Und schneller als man denkt, ist man dann in St. Brieuc und in Guingamp und in Lannion und dann: Voilà, Beg Leguer!

18 März 2008

Dortmuuuuund, Dortmuund!

"Manchmal ist schweigen besser als reden, das wissen Fußball-Fans", sagt Johannes B. angesichts der singenden, schwarz-gelben Wand im Westfalen-Signal-Iduna-Stadion-Park. Stimmt, Johannes, also halt auch mal eben den Babbel. Es kriecht nämlich gerade die Gänsehaut aus dem Fernseher raus auf die Couch: "You'll never walk alone!"

+++

Hab ersatzweise die Tupperware-Bananenaufbewahrungs-Plastikbox rausgesucht. Maskottchen!

15 März 2008

Generationen

Das sind mir ja die liebsten SMSse: "Wir sind auf der île und trinken den ersten Kir. Bis später mal, Mama und R."
Und das, nachdem man - sich wie die eigene Mutter vorkommend - wie blöd auf die Reiselustigen eingeredet hat, dass es keine gute Idee ist, um 2 Uhr nachts loszufahren, wenn man stressige Arbeitswochen und eine angefahrene Oma hinter sich hat.
(Ähnlich aus dem Sprachschatz von mindestens einer Generation über uns stammend: die Aussage des Bruders beim Eltern-in-den-Urlaub-verabschiede-Besuch: "Mann, ich komm' gerade von der Arbeit und wollte hier eigentlich mal n bisschen zur Ruhe kommen!" - Pustekuchen! Nicht mit diesen Eltern...)

26 Februar 2008

Wie man die Praxis eines Internisten aus der Frosch-Perspektive kennen lernt

Krank sein will ja keiner gerne. Schon gar nicht Schmerzen leiden. Also sah ich heute der seit Sonntag andauernden und nicht mehr zu verhehlenden Erkältung ins Auge und raffte mich gegen 15 Uhr auf, die um die Ecke gelegene Apotheke aufzusuchen. Irgendwas von den tausenden in der Werbung angepriesenen Husten-Schleim-Löse-Linderungs-Mittelchen mussten die mir doch verabreichen können, dass dieser Aua-Hals aufhört. Mein Anliegen vorgetragen ("Ich hab ne Erkältung und brauch was gegen die Schmerzen vom Husten!"), erklärt die PTA mir, dass wenn es schon weh tut, es sicher eine Bazillen-Geschichte sei. Und da könnten die einschlägigen Mittelchen nur lindern, nicht heilen. Heilen könnte allenfalls Antibiotika und es wäre besser, einen Arzt hinzuziehen. "Wo ist denn eigentlich der nächste? Ich bin ja nie krank!" "Ja, hier über uns ist ein Internist und ein Allgemeinmediziner ist..." "Äh, ich, darf ich mich mal kurz setzen?", frage ich und schaffe es noch, die zwei Stühle in der Apotheke mit den Augen zu fixieren. Allerdings nicht mehr dahinzukommen.

Wieder aufwachend, sah ich mich den erschreckten Gesichtern der drei Apotheken-Frauen gegenüber (die, wie sie mir später erzählten, deswegen so erschreckt guckten, weil neulich auch jemand in ihrer Apotheke parterre gegangen, nur leider nicht mehr wach geworden war).

Ich schon, und bereitwillig ließ ich mich von einer der PTAs zum Internisten ein Stockwerk drüber geleiten. Meine Versicherten-Karte hatte ich - sollte ja nur ein Kurzbesuch in der Apotheke werden - nicht dabei, weswegen mich die Damen Sprechstundenhilfen baten, meine Daten erstmal auf einem Zettel zu notieren. Meinen Vor- und Zunamen schaffte ich noch, auch die ersten drei Silben meiner Anschrift. Beim 't' in 'Straße' war's dann leider kurzfristig wieder vorbei mit der Aufmerksamkeit für meine Umwelt und ich wachte auf, als sich - 'wie im Film' lässt grüßen - der Internist, der sich mir wenig später als Dr. Schlüter vorstellte und als sehr freundlicher, sorgender Arzt entpuppte, über mich beugte. "Sie liegen jetzt hier n bisschen doof", grinste er mich an, weil sie mich wohl aus dem Flur vor der Empfangstheke auf dem Boden des benachbarten Sprechzimmers gezerrt hatten.

Tolles Gefühl, ungeduscht, mit usseligsten Klamotten (Motto: Scheiß auf schick, Hauptsache warm) und somit etwas unpräsentabel der geballten Ärzte- und Helferinnen-Schar gegenüberzutreten...

Diagnose aber: Ein Überleben ist möglich :-). Antibiotika sind nicht nötig.
Und für den Fall, dass es schlimmer werden sollte, hab ich die Privat-Nummer des Doktors. Guter Mann!

25 Februar 2008

We will, we will Obi!

Wer hat sich denn diesen Hammer-Spot ausgedacht?

23 Februar 2008

Lehrreich

Neulich an der Supermarktkasse in OE. Eine Frau, auf deren Namensschild "Sebahat Sahin" steht, hat Dienst. Ich frage sie, ob sie einen Ramazan Sahin kennt, denn so einer sei mit mir zur Schule gegangen. "Nein", antwortet sie. "Ich komm' aus Marl [der Nachbarstadt, d.Verf.]." Der Mann in der Schlange hinter mir ist unglaublich witzig und sagt: "Marl? Wat macht man denn in Marl? Malen? Höhöhöhöhö!" "Marrrrrrl!", sagt Sebahat Sahin mit Nachdruck.
Deutsche Sprache, schwere Sprache, was? Gilt umso mehr für Witzbolde.

17 Februar 2008

Die Sprengung

Seit Wochen schon verfolgten wir, wie das Volkswohl-Gebäude am Südwall nach und nach mit Baggern angeknabbert wurde - und heute war es dann so weit: Volksfest-Stimmung in der Dortmunder Innenstadt; Sprengung!
Und um 12.04 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein, nach einem relativ ohrenbetäubenden Knall, fiel es dann. Irgendwie doch schon ein ergreifender Moment, den Tausende Sprengschaulustige mit ihren Kameraobjektiven verfolgten (kaum zu glauben, was für Optiken die Dortmunder Hobby-Knipser so in den Schränken liegen haben!).
Aber sehen Sie selbst:




















Der wunderbare WDR hat übrigens nicht nur das ganze Spektakel in einer Sondersendung live übertragen...
















...sondern aus vier Kameraperspektiven die Sprenung zum Nochmal(und nochmal und nochmal und nochmal)-Angucken gefilmt und online gestellt. Ich finde die Perspektive "In der Todeszone" (die Kamera stand ferngesteuert oder -programmiert in einem angrenzenden Haus, das womöglich mit in Schutt und Asche hätte fallen können und demnächst selbst abgerissen wird) besonders aufregend: Hier sieht man den "Braunen Riesen" in normaler, in halber und in doppelter Geschwindigkeit fallen.











215 m Bannmeile gab es um das Volkswohl-Bund-Haus. Wochenlang wurde informiert und informiert, wer wann noch wo bleiben, stehen, gehen und parken durfte, und 32 Autos mussten sie doch noch abschleppen.

















Eine alte Oma hatte tatsächlich gar nichts mitbekommen von der Sprengung. Gut, dass die wackeren Jungs von THW eine Kontrollrunde bei allen Bewohnern im Evakuierungsbereich gemacht hatten.


















Aber: Nicht eine Fensterscheibe ist zu Bruch gegangen!



Und hübsch ist auch, wie sich die Sprengexperten gegenseitig zum gelungenen Trümmer-Fall gratulieren: "Ich seh' es von oben. Es liegt schön."













Warum habe ich bloß heute den ganzen Tag das Lied "Dann macht es bumm (...ja dann kracht's...)" im Ohr?





































... und zum Schluss war nur noch Staub. Hust. Nies.

14 Februar 2008

Porsche

"Das ist ja mal 'ne Faxnummern-Ansage", staunt der Kollege Anzeigenverkäufer, als er nach einem Kundengespräch den Telefonhörer auflegt. Der Kunde hatte ihm diktiert: "023xx, und dann Porsche 34", um ihm die Nummer durchzugeben.
"Höhö!" und "Jau!" kommen zustimmende Kommentare aus den übrigen Ecken des Büros.
Der Kollege geht zum Faxgerät, faxt, geht zurück. Alle vertiefen sich wieder in ihre Arbeit.
"Obwohl...", gibt der Sportkollege zu bedenken, "man könnte ja auch auf die Idee kommen, das ist die Nummer 7677... und so weiter", und er weist auf die mit Zahlen und Buchstaben bedruckten Tasten des Telefons, mit denen er P (7)-O (6)- R-S-C-H-E-3-4 getippt hat.
"Hä?", tönen ein Kollege und ich zurück. "Ja, wie denn sonst?"
"Na, 911 natürlich!", kommt es ebenso unisono von zwei weiteren Kollegen zurück.

Zug der Erinnerung

Machte auch in Dortmund Station: der Zug der Erinnerung. Der Zug der Erinnerung besteht aus mehreren Waggons, in denen die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien nacherzählt wird.
Erfreulicherweise bildeten sich - vor allem abends (siehe Handycam-Foto) - lange Schlangen vor dem in Gleis 26 des Dortmunder Hauptbahnhofs stehenden Zug. Vorn direkt hinter der Diesellok stieg man ein, hinten am Zugende wieder aus. Klar, dass immer nur eine gewisse Anzahl Menschen gleichzeitig in den Zug steigen konnte.
Befremdlich ist dann nur, wenn der junge Mitarbeiter des Trägerkreises dieser Ausstellung, der jeweils anwies, wie viele Besucher eintreten durften, Folgendes antwortet, als ich ihn frage, woran er denn festmacht, wie viele Menschen reindürfen (weil er den Ausstieg in der Dunkelheit gar nicht sehen konnte): "Ja, ich guck' hier in den Zug, und wir haben hier ja so mehrere Kammern..."

10 Februar 2008

Hickhack


Gestern auf Zeche Zollern...


Woran erinnert mich das bloß?

08 Februar 2008

Engel in Orange

Sagenhaft gute Dokumentation der wunderbaren Öffentlich-Rechtlichen: "Kohleengel - Retter unter Tage" über die Arbeit der Grubenwehren - und undefinierbarer Stolz auf die Kultur der Kohle bei uns hier im Pott.

Edit: Und um den Fernsehabend perfekt zu machen: Wenn Frau Furtwängler, Maria, und Herr Brandt, Matthias, aufeinanderprallen, dann wird das ebenfalls sehr, sehr gut...

06 Februar 2008

Frei

Dooooooch, man kann einen freien Tag auch gut rumkriegen, indem man sich fünf Stunden am Stück durch ein neu aufgefundenes (englisches!) Weblog liest.
Kein Wunder, wenn man auf die Kontroll rhetorische Frage "Biste schon angezogen?" des Bruders, der eine mögliche gemeinsame Mittagspause in Erwägung zog, mit "nööööö" antworten muss.
Ich war aber dann doch noch duschen. Gegen 17 Uhr. Und ich habe tatsächlich auch nützliche Dinge getan wie Blattläuse von zwei Zimmerpflanzen entfernt, Küche, Bad und Flur gewischt, Scheibenwaschwasser nachgefüllt, billig getankt und eingekauft (Wortwechsel im Supermarkt, auch auf Englisch: "Don't they have normal chocolate?" "Mmhh... let's see..." "What does 'alpine milk' mean?" "Marketing bullshit!").

04 Februar 2008

Wer ist eigentlich Anuschka?

Ist ja Karneval zurzeit. Und so wie ich an Weihnachten gerne BFBS höre, höre ich Karneval (als ziemlicher Karnevals-Muffel) gerne WDR4. Ja, lacht nur. Aber die Lieder, die die dort spielen, sind so unglaublich grotesk, dass ich aufpassen muss, im Auto weiter geradeaus zu fahren.
Gestern war's ganz erschreckend. Dies hier war mir schon peinlich. Noch schlimmer wurde es, als Heinos "Polenmädchen" gespielt wurde. Und ich alles mitsingen konnte. "In einem Polenstädtchen, da wohnt einst ein Mädchen, das war so schön. Sie war das allerschönste Kind, das man in Polen find, aber nein, aber nein, sprach sie: Ich küsse nie!"
Heino lädt sie später auch noch zum Tanzen ein, hebt ein rotes Röslein, das aus ihrem Kranze fällt, auf, kriegt aber trotzdem keinen Kuss. Weil: Anuschka, das Polenkind, küsst ja nie.
Grandios. Und Omas alte Schallplatten sind schuld. Da war sie nämlich drauf, Anuschka, und auch die anderen, die Heino so erlegt hat: Die schwarze Barbara, die Katja, die hat ja, Maria Linda, auf der Hazienda in Mexikos Sierra, Mary Rose aus dem Zirkuszelt, Veronika, zu der Heino im Sommer, wenn der weiße Flieder blüht, zurückkehrt... Der Schwerenöter, der!

Helau!

27 Januar 2008

Hundehalter

Ja, ja. Januar. Jahreshauptversammlungs-Zeit! Samstag war für mich ein Hundeverein unserer Stadt dran. Abgesehen davon, dass ich in dem Vereinsheim fast am Hustenanfall krepiert bin (bin mal gespannt, wie die das Rauchverbot umsetzen...), waren die Leute nett und freundlich zu mir. Nicht so sehr untereinander. "Halt du jetz ma die Schnauze" - so was war (neben der Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden und zum zweiten Kassenprüfer; zu sehen sind diese Leute auf dem Teil des Bildes, den ich hier augeschnitten habe -> Datenschutz, ne?!) an der Tagesordnung. Ich nehme gehässigerweise mal an, dass sie zu ihren Tieren weitaus freundlicher sind.
Dann ging es an die Jahresplanung für das laufende Jahr. Es musste ein Termin für die Frühjahrshundeprüfung gefunden werden. Kramt der Vorsitzende in seinem Aktenköfferchen, zerrt einen Buchkalender (diese meist schwarzen Dinger, pro Tag eine Seite, Format DIN A5) hervor und blätttert drin. Ruft dann: "Hertha! Hol' mich ma dat Ding aus meine Tasche!" (Hertha sitzt zwischen den anderen Versammelten und ist die Ehefrau des Vorsitzenden.) Hertha wäre aber nicht Hertha und auch nicht jahrzehntelang Gattin des obersten Hundehalters, wenn sie nicht sofort wüsste, was ihr Mann jetzt von ihr will. "Dat Ding" in Vorsitzenders Tasche ist ein Tischkalender (so ein schmaler, länglicher, den man üblicherweise auf seinem Büro-Schreibtisch liegen hat; ein Blatt pro Woche), den die Hertha herholt. Herr Vorsitzender blickt grübelnd auf die Wochenübersichten, blättert unschlüssig hin und her und ruft dann die Hertha noch mal herbei. Sie soll jetzt "dat andere Ding" holen. "Dat andere Ding" ist diesmal ein Notizbuchkalender (wie ein kleines Heftchen, länglich, halbes DIN-A5-Format, meist mit Kunststoffumschlag, wird meist als Werbegeschenk von Firmen zum Jahresende ausgeteilt). Der Chef blättert auch hierin, murmelt hin, beratschlagt her, und irgendwann kommt alles zu einem guten Ende.

Frühjahrsprüfung ist jetzt jedenfalls am 12. April.

24 Januar 2008

Rausgehauen

Heute war der Arbeits-Kollege wieder da, der die letzten Tage wegen Magen-Darm gefehlt hatte. Folglich wird er mit ein paar dummen Sprüchen begrüßt und nachgefragt, ob er das war, der im Altenheim die Noro-Viren-Epidemie ausgelöst hat. "Ja klar. Einmal vorne anne Polonaise gepackt und zack, alle weg!", so sein schlagfertiger Kommentar.

Ich möchte auch mal so knochentrocken Sprüche raushauen können.

22 Januar 2008

Die Instructeuse

Heute nach der Arbeit widerstand ich der wie Blei über mich fallenden Müdigkeit und trieb mich selbst ins Schwimmbad. Ganz gegen meine Gewohnheit - rein ins Becken, Bahnen schwimmen, wieder raus, duschen und ab nach Haus' - war ich heute so groggy, dass ich mir erstmal ein paar Minuten auf dem Liegestuhl am Beckenrand gönnte.
Allerdings: Mit Rumdösen war da nichts. Der Grund: Es war Wassergymnastik - falsch: Aqua-Power-Workout heißt das - und das hieß: Die Drill-Instructeuse persönlich stand am Beckenrand und wies die im Wasser herumpaddelnden Teilnehmer an und ein. Denn hier war heute Schnupperstunde für Neu-Aqua-Powerlinge. Die Kursleiterin hatte ein Headset um, das kabellos die Kommandos an den Ghettoblaster funkte, die dann durch das Hallenbad schallten. "Erste Regel", so die Ansage, "Kaugummis raus!" Und diejenigen, in deren Mund sie ein Kaugummi gewittert hatte, bekamen am Beckenrand die Mülltonne vor die Nase gehalten. "Nämlich: Wenn Sie sich im Wasser daran verschlucken, gibt's nur eins: Luftröhrenschnitt. Und das wollen Sie glaube ich nicht. Hehehehehe!"
"Uuuund loooos geht's!", dröhnte dann durchs Hallenbad. "Schwimmen ist ab jetzt verboten [die Wasserturner hatten Auftriebsgürtel umgeschnallt und schwebten somit gleichsam], und am Beckenrand festhalten auch!" - Ein Ton, der keinen Widerpruch duldet.
"Ihre Hände bewegen sich so, aber so schnell, wie's geht. Ihre Beine machen dabei so - aber die Haltung bleibt ker-zen-ge-ra-de! KERZENGERADE, hab ich gesagt!" Und die gute Dame mit dem rasanten Kurzhaarschnitt machte am Beckenrand im Trockenen das Geforderte vor. "Und das machen wir jetzt zwei Minuten!" [Pause von circa vier Sekunden] "So, und noch 15 Sekunden - nächste Übung!"
Zwischenzeitlich wurden die durch die Fensterscheiben nach drinnen gaffenden Blagen noch zur Ordnung gebrüllt - "Das ist NICHT erlaubt!!"- und schon war sie wieder ganz bei den Aqua-Corporals und -Sergeants. "Jetzt gibt's Hanteln!", rief sie und schmiss für jeden zwei Hanteln - die allerdings wohl aus irgendeinem weichgepolsterten Kunststoff bestanden - in Richtung der Untergeordneten.
So ging das weiter: Schneller! Kerzengerade! Power!

Ich hab dann langsam Angst gekriegt, dass sie mich auch ins Aqua zum Powern zitiert. Und bin doch schnell meine friedlichen, harmonischen, stillen Bahnen schwimmen gegangen.

20 Januar 2008

Bauer sucht Frau?!

Nein, das gibt's nicht nur im Fernsehen (SpOn: hier und hier). Das kann man auch im wirklichen Leben erleben.
Groß-Party im Dorfe Oer. Wir stehen in einem Grüppchen nebeneinander und reden dies und das und dummes Zeug. Sagt plötzlich S., der Freund meiner Freundin T., zu mir, seine Handy-Kamera in der Hand: "Darf ich mal 'n Foto von dir machen?" Ich gucke ihn mit ein paar Fragezeichen auf der Stirn an, ziere mich aber nicht weiter und willige ein. Freundin M. will's genauer wissen: "Wozu brauchst du das Foto? Ist das hier 'Bauer sucht Frau'?" S. grinst, tippt in sein Handy und versendet eine MMS.
Eine Minute später, als S.' Telefon den Empfang einer SMS meldet, stellt sich raus: Das ist 'Bauer sucht Frau'! Genau genommen ist das hier 'Möhren-Bauer sucht Frau'. D., ein Kumpel von S. und der Urheber der soeben angekommenen SMS, arbeitet nämlich in dieser Branche und ist solo. "Er will mehr Eckdaten", sagt S. und grinst wieder. Ich verlange im Gegenzug jetzt auch ein paar Eckdaten - und erfahre: 'Er' ist 28, lustig, nett, hat mit T. und später dann mit S. zusammen gearbeitet und dann den Hof seiner Eltern übernommen.
Na ja. Ich weiß, dass, nachdem jetzt wieder eine von uns ihr Bügel- zum Kinderzimmer macht, wie ich heute erfahren durfte, die Frage nach der tickenden Bio-Uhr noch häufiger an mich gerichtet sein wird als zuvor. Aber ich glaube, ich schaff' das auch ohne frauensuchenden Bauern... *grins*

19 Januar 2008

17 Januar 2008

(Un)wörter

Zum Unwort des Jahres ist jüngst der Ausdruck "Herdprämie" gewählt worden. Jo, das kann ich unterschreiben. Das, was einige WAZ-Redakteure als Alternativen vorschlagen, aber auch. Herr Onkelbach zum Beispiel erklärt "Knut" zum Unwort des Jahres und begründet: "Ob man es wollte oder nicht: Wochenlang wurde man mit Nachrichten aus dem Intimleben eines kleinen Eisbären versorgt: Nein, wie süüüß er ist!" Das Ganze belege "eine allgemeine Niveauverflachung, die wie ein Fieber das Land befiel." Weise gesprochen.
Caren Miosga hat dann gleich noch "Subventionsheuschrecken" als weiteren Vorschlag genannt, aus aktuellem Nokia-Anlass.
Die Wortschöpfung/Redewendung des ... na ja, des Tages oder der Woche, vielleicht des Monats, ist für mich jedenfalls, was heute ein BBC-Reporter angesichts der Bruchlandung einer Boeing 777 in London-Heathrow von einem Augenzeugen berichtete. Der habe seinem absoluten Respekt für den Piloten, der die Riesenmaschine wie durch ein Wunder so gelandet hatte, dass nur sechs Menschen leicht verletzt wurden, tief beeindruckt so ausgedrückt: "He deserves a medal as big as a frying pan." Zu nett: eine Medaille so groß wie eine Bratpfanne.

12 Januar 2008

Es lebe die Stereotypisierung

Na klasse. Die Bild-Zeitung biedert sich gerade mal wieder an ihr liebstes Thema und Roland Kochs Wahlkampfzugpferd an: "Wir sind anständige Ausländer" ist heute eine Headline der Online-Ausgabe. Zu Wort kommen die Türkin Nazife Mus, der Portugiese Antonio Sousa und die Türken Yussuf Akova und Erkan Necmetin. Nazife kellnert, Antonio ist Müllmann, Yussuf schneidet Döner vom Spieß und Erkan ist Taxifahrer.
Immer schön festschreiben, was ohnehin schon in den Köpfen der Gesellschaft zementiert ist. Fehlt nur noch Ayşe, die Putzfrau.

10 Januar 2008

Ehrenmord-Alarm

1.30 Uhr nachts ist eigentlich nicht so die Standard-Zeit für längere Telefongespräche, gerade, man am nächsten Tag arbeiten muss. Aber neulich war es doch mal so weit. Ich lese vor dem Einschlafen noch meinen Stadt-Teil aus der Zeitung und stoße auf einen Artikel (s. Scan) über Hadi K. und seine Kumpels vom Interkulturellen Seniorentreff. Der in der Ankündigung endet, dass die Multi-Kulti-Senioren demnächst einen Fachvortrag über die Aleviten hören werden. Und wie das bei uns der WAZ so üblich ist, gibt es auch noch einen Info-Kasten - "Zur Sache" - dazu. Stichwort: Aleviten. Die fasten seit 4. Januar, für zwölf Tage, erfahre ich unter anderem.

Gleich mal eine SMS an meinen türkischstämmigen Freund - und Aleviten! - E. geschickt und nachgefragt, ob er denn auch fastet. Nö, kommt zurück, da sei er nicht so streng. Warum ich fragen würde? Ich erkläre ihm den Zusammenhang mit dem Zeitungsartikel - der Clubvorsitzende Hadi trägt witzigerweise auch noch den gleichen Nachnamen wie der Empfänger der nächtlichen SMS. Er SMSst zurück, das sei tatsächlich ein Teil seiner Sippe, "aber es ist wie im schlechten Film", beschreibt er die Verwandtschaft in Dortmund. Daraufhin schreibe ich zurück: "Wieso? Hat er n Ehrenmord am Hals?" Hintergrund: Zwischen E. und mir gibt es einen running gag, der darin besteht, so viele gängige Vorurteile, Klischees und Festlegungen gegenüber Ausländern bzw. bestimmten Volksgruppen auszutauschen wie möglich.

Der gag war aber wohl nicht running genug. Nur Sekunden nach dem "gesendet"-Signal der SMS klingelt mein Telefon. "Wiiiiiiie?! Onkel Hadi hat n Ehrenmord begangen?", fragt mich E., der angesichts dieser Nachricht und selbst schon im Bett liegend noch mal aufgesprungen und mich aufgescheucht angerufen hatte...

Wir haben die Gelegenheit genutzt, noch ein Dreiviertelstündchen über Ausländer im Allgemeinen, die Aleviten im Besonderen, Vorurteile, Gewalttaten und deren Aufarbeitung in den Medien sowie die Fußball-Stadtmeisterschaften in Mülheim zu sprechen. Dafür ist es nie zu spät und nie zu nächtlich.

Google mich!

Lokalredakteurin. Dass das mein Traumjob ist, habe ich immer behauptet. Jetzt deucht mir: Es stimmt, was ich behauptet habe. Das ist tatsächlich mein Traumjob. Er macht mir Spaß. Kaff hin oder her, Käseblatt ex oder hopp. Trotz einer Leserschaft, die gerne mal bei Telefonverlosungen "Ich ruf an wegen die Karten" sagt. Trotz der neu ins (Sport-)Programm aufgenommenen Disziplin "an den Haaren herbeiziehen" - von Themen nämlich. Trotz der Tatsache, dass man an meinem neuen Arbeitsplatz seine Schere, seinen Tacker, seine Stifte selbst mitbringen muss.
Aber irgendwie ist es zu nett, ständig auf Menschen zu treffen, die man kennt: Mit-Abiturient S. zum Beispiel, der sich heute, als er unserer Sekretärin einen Termin seines Schützenvereins durchgab, an mich weiterverbinden ließ und erstmal kurz mit mir plauderte. Oder Schul-Kollege A., der jetzt doch tatsächlich einen red dot award gewonnen hat - und daher natürlich zum Objekt der Berichterstattung wird. Oder Fußball-Bekannter B., der die Scheiben runterkurbelt und ruft: "Na, Tamina, auf der Suche nach'm Motiv?", als er mich mit Kamera in der Innenstadt sieht. Oder oder oder.
Und: Wir sind hier nicht hinterm Mond, das wurde heute einmal mehr bewiesen: "K. von der Energieagentur", meldete sich heute ein Anrufer, und ich sah eine auswärtige Telefonnummer im Display. Er wolle sich bedanken für den Artikel, den ich über die "mission e" - eine Energiespar-Kampagne der Bundeswehr - geschrieben habe. Ich war ein wenig perplex, denn meine dienstliche Nummer habe ich erst seit acht Tagen, die kennt kaum einer außer dem engeren Bekanntenkreis, dem ich sie sofort in die digitalen und papierenen Telefonbücher diktiert hatte.
Folglich fragte ich ihn am Ende des netten Gesprächs, wie er mich denn hier aufgefunden habe. Ja-ha, das sei ganz kurios: Er habe mich gegoogelt. Sei dann auf eine Telefonnummer an der Uni Paderborn gestoßen, die ihn wiederum auf eine Nummer an der Uni Wuppertal verwiesen hatte. Dort anrufend, hatte er meine ehemalige Kollegin an der Strippe (die natürlich im Kreise derer war, die SOFORT meine neue Nummer erhalten hatten). Und so hatte ich den Mann nun über Umwege nach Paderborn und Wuppertal nun in Oer-Erkenschwick am Hörer!
Fest steht a): Ich muss dringend was an meiner Netz-Identität und meiner Google-Bilanz tun und b): Mit der Vokabel Käsekaff muss man vorsichtig umgehen.

08 Januar 2008

Abgestempelt

Der Kollege kommt vom Parkplatz rein ins Büro und ist offensichtlich an meinem Auto vorbeigelaufen, dessen linker hinterer Kotflügel mit einem Aufkleber des Wortlauts "Je suis Breton et j'en suis fier", der die Form der Bretagne hat, verziert ist. "Wassn das fürn Aufkleber da auf dei'm Auto?", fragt der Kollege, und ich hebe an zu erklären: "Also, das ist die Bretagne und da steht drauf...", da unterbricht er: "Aha. So was wie Sylt für Intellektuelle oder wat?"

07 Januar 2008

Ein bisschen hinterm Mond

Es war mir ja nicht so klar, wie sehr ich mich mittlerweile an den allüberall und jederzeit greifbaren Internet-Zugang gewöhnt habe. Wie ich worldwidewebisiert bin. Wie angewiesen man mental aufs Netz ist. Mein Leben im always-on-Zustand sozusagen.
Und dann nabeln sie mich einfach ab! Dann erachten sie einen Internetanschluss am Arbeitsplatz nicht als notwendig! Freunde, wisst ihr eigentlich, was ihr da tut? Einer Person, die das Blättern in Telefonbüchern als bestenfalls umständlich, eigentlich aber sogar als überflüssig ansieht - wozu gibt's das Ding online? - den Netzanschluss zu nehmen?! Einer, die journalistische Sorgfaltspflicht auch insofern umso unkomplizierter umsetzen und umso ernster nehmen kann, seitdem man Aussagen von Gesprächspartnern über Gesetzestexte, Daten, Ereignisse, Schreibweisen mit digitalen Nachschlagewerken und Dokumentationen nachvollziehen und nachprüfen kann? Einer, der spontanes Twittern, Bloggen, Flickrn, Facebooken, MySpacen, Onlinebanken, ... derart in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass jetzt fast gewaltsam Gedanken und Ideen im Kopf abgewürgt und vertagt bzw. begraben werden müssen? Einer, die sich dank einer kaum jemals komplett ausschöpfbaren Googlemail-Postfach-Größe fast unabhängig von Festplatten gemacht hat und diverseste Fotos, Dateien und Informationen immer und überall, wo es Internet-Anschluss gibt, verfügbar hat?
Ja, diese gallischen Dörfer. Sie sterben nicht aus.
Aber: Ich arbeite dran. Dagegen vielleicht eher. Mein Mobilfunkanbieter hat für monatlich 25 Euro Internet-Flatrates. Und ich fange vielleicht schon mal an, auf die Internet-Edition meines Mobiltelefons zu sparen...

06 Januar 2008

Wohin nur mit der Zeit?

Neuer Job, neue Arbeitszeiten. Geprägt durch monatelanges Durcharbeiten mit Wochen, die eher aus sieben als aus sechs Arbeitstagen, geschweige denn aus fünf bestanden, und durch völlig selbstverständliche Sonntags-Arbeit - Jeden-Sonntags-Arbeit genau genommen - bringt mich mein erstes Wochenende im neuen Job völlig aus dem Konzept, Trott und Rhythmus. Wohin nur mit der ganzen freien Zeit? Den Samstag komplett frei haben - ja gut, das lasse ich mir noch gefallen, er verwirrt dennoch. Aber dann: der Sonntag! Auch frei! Arbeit-los! Hä? Lieber mal den Tag ein wenig strukturieren. Oma anrufen, Kaffeetrinkens-Verabredung terminieren. "Oma, bist du Sonntagnachmittag zu Hause?" "Äh, ja, warum?" "Nun, dann würde ich zum Kaffee mal vorbeikommen." (Schweigen. Stille.) "Oma??" "Ja... ja, natürlich, klar, kannst du! Ich war nur... Ja, komm' nur vorbei!"
Alternativ-Vorschläge gab es übrigens auch: "Kannst ja endlich mal wieder in die Kirche gehen, hähä!" - Freundin G., hämisch wie immer und wie wir sie kennen und mögen.
"Geh doch heimlich zu deiner alten Arbeit. Kannst denen ein bisschen helfen", regt der Bruder an.
Gut, dass ich zu Hause noch eine wirkliche Alternative liegen haben: die Dissertation einer ehemaligen Kollegin. Kapitel 3 (33 Seiten), 9 (16 Seiten), 4 (8 Seiten), und 5 (80 Seiten) habe ich schon Korrektur gelesen. Kapitel 6 (44 Seiten) und 7 (74 Seiten) sollen noch folgen. Das hält auch den Geist frisch.

03 Januar 2008

Für Rentner und andere Interessierte

Happy 2008 allerseits! Wünsche gut gefeiert und gerutscht und geknallert und angestoßen zu haben!
Mein Silvester in Wien (das nun schon drei Tage zurückliegt, aufgrund umwälzender beruflicher Veränderungen aber erst jetzt hier Erwähnung finden kann) war eines der strangesten Silvesters überhaupt - und eines der erfreulich-fröhlichsten zugleich.

In Stichworten:

  • Gegen 0.30 Uhr stellten Freundin G. und ich fest: "Oh! Kann es sein, dass wir bis jetzt noch keinen einzigen Schluck Alkohol getrunken haben?" In der Tag: Pfefferminztee und Mineralwasser hatten uns den ganzen Abend bei Laune - und zwar bei allerallerbester! - gehalten.

  • Es ist eine sehr gute Idee, am 30. 12. nach einem sehr leckeren Essen und einem sehr gemütlichen Abend im Restaurant "Nayeb" in der Gumpendorfer Straße in Wien (6. Bezirk) zu beschließen: "Hier sind wir morgen auch!" - ohne freilich zu wissen, dass am Silvesterabend hier außer uns kein weiterer deutschstämmiger Mensch weilt, sondern ausschließlich persische Großsippen, die sich auch noch gegenseitig sämtlich kennen. Und ohne zu wissen, wie charmant armenische Popmusik aus dem Munde eines in einen weißen Anzug, eine weiße Hose, ein weißes pailettenbesticktes Hemd gekleideten Jünglings sein kann *kicher*.
  • Wien kann was beim Feuerwerk. Der Standpunkt direkt vor der Hofburg (ist nicht eigentlich überall in Wien Hofburg?) mit Blickrichtung Rathaus ist nahezu ideal. Für den, der will (wir haben uns allerdings nicht getraut), stehen hier auch koreanische Taxifahrer, die ihr "An der schönen blauen Donau" dudelndes Autoradio extra laut gestellt haben und sich für den Silvester-Neujahrs-Walzer bereithalten.

  • Der Nuss-Apfel-Punsch wird zu Silvester 2007 in extrem hässlichen, mit schweinsrosa Glücksschweinchen verzierten und dem Aufdruck "Noch 159 Tage bis zur EM" tragenden Tassen serviert und schmeckt lecker.

  • Das Sisi-Museum (in der Hofburg - na klar!) ist an Tagen mit Schneeregen und Temperaturen gerade unter null Grad der ideale Aufenthaltsort. Für uns und die 30 000 dreisten, lauten Italiener (die wir seit der WM schon nicht leiden können, seit Wien aber erst recht nicht mehr! Basta!). Für mich das Schönste im Museum: Sisis Turn(!)zimmer.

  • Die erwähnten dreisen Italiener darf man auch in der Schlange vor dem Café Sacher nicht gewähren lassen. Die drängeln sich sonst einfach vor! Aber nicht mit mir! Da müsst ihr erst an meinem Ellenbogen vorbeikommen!

  • Auf dem Zentralfriedhof (es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Tot'n!) liegen die großen Musiker (Brahms, Strauss, Beethoven) vor der Kirche links. Falcos Grab zu finden, ist schwieriger...

  • Das KunstHausWien lohnt schon allein wegen seiner bunten, bauchigen Säulen einen Besuch. Besondere Beachtung verdient der hundertwassertypisch unebene Boden: "eine Melodie für die Füße" (O-Ton der Museumsführerin)

  • Über die albernen, halbwüchsigen Gören im Starbuck's an der Bognerstraße kann man noch Tage danach lachen: "Also, entweder liegt es daran, dass ich zu hohe Ansprüche an einen Typen habe, dass ich keinen finde, oder ich bin einfach zu speziell." (Es ist Letzteres, Honey, definitiv!) und: "Danke, Anna!" "Wofür!?" "Dass wir gemeinsam allein sind!" (Denken Sie sich hierzu den nur von echten Wienerinnen so aufzubietenden charmant-theatralisch-melancholischen Unterton)

  • Immer wieder schön: Sich selbst bestätigende Vorurteile und Klischees. War klar, dass in der Gruppe ostblöckischer (bulgarischer?) Mitbewohner in unserem Hostel die Männern sich faul und fett an den Tisch fallen ließen und dann solange untätig in der Luft herumglotzten, bis ihre Freundinnen rasch das Frühstück vom Buffet herbeigeholt hatten, oder?

Insgesamt: Gerne wieder, Wien!